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Getrübte Freude

Eintracht Frankfurts Lucas Torro betrauert den Tod seines Bruders. Er spielt trotzdem. Die Kollegen erfahren es erst nach dem 4:1 gegen Lazio Rom

  • Von Jan Mies und Pirmin Closse, Frankfurt am Main
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Sekunden verrannen langsam, als die plötzlich niedergeschlagen Spieler von Eintracht Frankfurt Arm in Arm und mit gesenkten Köpfen auf dem Rasen standen. Um sie herum explodierte ein tosender Jubel von 45 000 Fans. Doch zum Feiern war in diesen Momenten nach dem überzeugenden 4:1 (2:1) in der Europa League gegen Lazio Rom keinem Eintracht-Profi zumute. Lucas Torro weinte bittere Tränen.

»Dem Team wurde mitgeteilt, dass Lucas’ Bruder unerwartet verstorben ist«, erklärte Trainer Adi Hütter, der seine Mannschaft unmittelbar nach dem Schlusspfiff am Mittelkreis versammelt hatte, später die Szene: »Das ist eine traurige Nachricht, die unsere Feierfreude nach dem Spiel getrübt hat. Lucas wollte unbedingt dabei sein. Wir stützen ihn und sind in Gedanken bei ihm.«

Mittelfeldspieler Torro habe am Vormittag nur das Trainerteam informiert. »Ich habe ihn gefragt, ob er im Stande ist, zu spielen, ob er das möchte«, berichtete Hütter. Torro wollte, »und das war fußballerisch überragend. Wahnsinn«, sagte Sportvorstand Fredi Bobic: »Wir hoffen nun sehr, dass Lucas genug Kraft hat. Wir als Verein sind für ihn da.« Am Sonntag bei der TSG Hoffenheim wird der Spanier, der sich direkt nach dem Spiel auf den Weg in die Heimat zu seiner Familie machte, fehlen.

Hütter wollte am Tag danach auch wegen dieser Tragödie nicht mehr viele Worte über die starke Leistung seines Teams verlieren. Er hat nur wenig Zeit, um den Fokus nach den vielen, gegensätzlichen Emotionen wieder auf die Bundesliga zu richten. »Das war ein toller Sieg mit einer tollen Stimmung. Aber es gibt auch die menschliche Seite«, so Fredi Bobic.

Danny da Costa (4. und 90. Minute), Filip Kostic (28.) und Luka Jovic (52.) hatten die Frankfurter für eine über weite Strecken berauschende Vorstellung belohnt. Marco Parolo (23.) erzielte den zwischenzeitlichen Ausgleich, der aber wertlos blieb, auch weil Roms Dusan Basta nach wiederholtem Foulspiel (45.) und sein Teamkollege Joaquin Correa nach hartem Einsteigen im Mittelfeld (58.) vom Platz flogen. »Das war ein perfektes Spiel von uns«, sagte Torhüter Kevin Trapp. »Wir haben genau die Dinge, die wir angesprochen haben, umgesetzt. Ein 4:1 gegen Lazio Rom kommt nicht von ungefähr. Das haben wir uns verdient.«

Für eine weitere emotionale Szene sorgte Kapitän Marco Russ, der nach dem Abpfiff sein Trikot mit Francesco Acerbi tauschte. Bei beiden war im Verlauf ihrer Karrieren Hodenkrebs diagnostiziert worden, beide kehrten nach einer Behandlung zurück. »Wir haben das schon vorher abgemacht«, sagte Russ: »Es ist nicht normal, nach so einer Krankheit zurückzukommen.«

Sportlich herrschte am Main große Zufriedenheit. Mit der Maximalausbeute von sechs Punkten fehlt den Hessen nicht mehr viel, um die nächste Runde zu erreichen. »Wir können in den nächsten beiden Partien den Sack zumachen«, sagte Hütter. Zunächst gelte die Konzentration aber der Partie am Sonntag. Die Partie in Sinsheim werde »mindestens genauso intensiv«, sagte Trapp. »Und klar, auch da wollen wir gewinnen.« Auch für Lucas Torro. SID/nd

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