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Man braucht mal was auf den Deckel

Perfekt agieren die deutschen Volleyballerinnen noch nicht, doch Louisa Lippmann spielt bislang eine starke WM

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Sie sind mit Abstand Deutschlands beste WM-Punktesammlerin. Dabei spielen Sie erstmals eine so tragende Rolle. Wie groß ist der Unterschied zu 2014?

Jetzt trage ich eine ganz andere Verantwortung. Damals spielte ich gerade meinen ersten Sommer in der A-Nationalmannschaft und konnte noch von draußen genießen. Bei ein paar Einwechslungen durfte ich meine Nervosität auf dem Platz zeigen, und das war’s dann. Jetzt stehe ich immer in der Startformation und spiele gegen die besten Spielerinnen der Welt auf einem viel höheren Niveau. Das ist komplett anders.

Drei Pflichtsiege und zwei klare Niederlagen stehen nach der Vorrunde zu Buche. Verharrt die deutsche Mannschaft im internationalen Mittelmaß?

Die Spiele haben ganz gut gezeigt, wo wir stehen. Die Niederlagen waren mit 0:3 (gegen Japan, Anm. d. Red.) und 1:3 (Niederlande) in den Ergebnissen aber zu hart. Wir haben sehr gut gespielt und nach der Nations League im Frühjahr noch mal einen großen Schritt gemacht. Auf der anderen Seite sind aber auch viele WM-Debütantinnen dabei. Die Mannschaft ist unerfahren. Im Gegensatz dazu spielt der komplette Stamm der Holländerinnen in den besten internationalen Ligen. Wir hatten die Möglichkeiten, enge Sätze zu gewinnen, aber so weit sind wir offenbar noch nicht.

Auch in der Nations League gelangen Achtungserfolge wie gegen Brasilien, doch es folgten viele Niederlagen. Woran liegt das?

Uns fehlt die Konstanz. Aber solche Spiele wie auch die hier bei der WM zeigen, was in Zukunft mit dieser Mannschaft möglich ist. Vor der Nations League hatten wir nach einer langen Saison kaum Zeit, uns einzuspielen. Und in so kurzer Zeit gegen all diese Topnationen zu bestehen, ist dann eben extrem schwer. Man muss aber auch viele Fehler machen und öfter mal was auf den Deckel bekommen, bis man daraus lernen kann.

Der Weltverband versucht in diesem Jahr, die Übertragungen interessanter zu machen und blendet nach Angriffen die Geschwindigkeiten der Schläge ein. Wie oft schauen sie nach, ob sie die 100 Stundenkilometer geknackt haben?

Ich bekomme das nie mit. In der Nations League in Brasilien war das wohl zum ersten Mal so, und danach haben mir Leute die Videos gezeigt. Hier in Japan gucke ich nur auf den Videowürfel, wenn gerade der Videobeweis gefordert wurde. Ansonsten würde der Fokus zu sehr vom Wesentlichen abweichen.

Schauen Sie sich nicht mal abends im Hotelzimmer Videos von ihren besten Szenen an?

Eigentlich nie. Wenn schon, dann nur mit unseren Scouts, um zu sehen, wo ich mich verbessern kann und in welchen Situationen ich andere Lösungen finden kann.

Apropos Videotechnik. Der Videobeweis wird im Fußball heftig diskutiert. Im Volleyball gibt es ihn schon länger. Wird er akzeptiert?

Ja, er ist extrem wichtig. Es gibt zu viele Situationen, in denen Schieds- und Linienrichter nicht genau erkennen können, was passiert, denn das Tempo in unserem Sport ist einfach zu hoch. Daher ist es super, dass sich der Videobeweis in internationalen Turnieren etabliert hat. Da ist er gar nicht mehr wegzudenken, da immer viel zu viel auf dem Spiel steht und einzelne Punkte sehr wichtig sein können. Der nächste Schritt wäre, ihn jetzt auch in der deutschen Liga einzuführen.

Im Frühjahr spielte die Mannschaft noch in vielen Formationen. Bei der WM schickt Trainer Felix Koslowski fast immer dieselben sieben Spielerinnen aufs Parkett. Legt er sich jetzt auf einen Stamm fest, der bei Olympia 2020 etwas reißen soll?

Nein. Im Volleyball gibt es häufig eine Startformation. Aber wir haben trotzdem einen breit aufgestellten Kader. Es kann ja immer jemand ausfallen, also brauchen wir mit Blick auf 2020 einen breiten Kader mit Spielerinnen, die variabel einsetzbar sind.

Sie wechseln nach der WM vom Schweriner SC nach Italien. Sie sagten mal, in Deutschland könne man mit Volleyball kein Geld verdienen. Geben Sie uns einen Einblick, wie viel mehr es in Italien ist?

Nein, das mache ich lieber nicht, aber wir reden nicht von Gehältern wie in der Fußball-Bundesliga. Trotzdem kann man mittlerweile auch in der Volleyball-Bundesliga gut verdienen. Da liegen zwar noch Welten dazwischen, aber für mich ging es auch nicht ums Finanzielle. In Italien zu spielen, war einfach immer mein großer Traum. Das Niveau ist dort sehr hoch, da spielen in jeder Mannschaft internationale Größen. In Italien wird Volleyball gelebt. Das ist dort ein großer Sport. In Deutschland dagegen fließt zu viel Geld in den Fußball.

Spüren Sie oft Neid?

Ach, Neid bringt mir nichts. Ich weiß genau, was ich an meinem Sport habe. Es geht nicht darum, wie viele Nullen vor dem Komma stehen. Mit manchen Fußballstars würde ich auch nicht tauschen wollen, was die mediale Aufmerksamkeit angeht. Aber wir versuchen, Volleyball in Deutschland noch populärer zu machen. Denn es ist ein mitreißender Sport.

Der aber auch bei dieser WM erneut nicht im Fernsehen übertragen wird.

Natürlich ist das schade, vor allem bei einem so volleyballbegeisterten Land wie Japan. Diese WM dann nicht im Fernsehen zu sehen, ist traurig. Dabei sind wir mit der Bundesliga schon weiter. Hier werden regelmäßig Spiele auf Sport1 übertragen. Und jetzt kämpft man jeden Tag extrem hart, was medial sicherlich deutlich mehr mediale Aufmerksamkeit verdient hätte. Zum Glück können uns die Fans noch im Internet finden.

Von acht Teams in Ihrer Zwischenrunde kommen nur drei weiter, und sie nehmen die beiden Niederlagen mit. Wie realistisch ist da ein Weiterkommen noch?

Das wäre wohl nur machbar, wenn wir jetzt alle Spiele mit 3:0 gewinnen. Vor allem gegen Serbien und Brasilien wird das aber extrem schwer. Nach der guten Vorrunde bin ich mir aber sicher, dass wir für die eine oder andere Überraschung sorgen werden. Und wer weiß, es kann immer etwas Verrücktes passieren. Also bleiben wir konzentriert und schauen mal, ob nicht doch noch ein kleines Wunder passiert.

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