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Zehntausende protestieren für Kohleausstieg

Bis zu 50.000 Menschen protestierten gegen die Rodung des Hambacher Forst

  • Lesedauer: 3 Min.

Kerpen. Mehrere Zehntausend Menschen haben am Samstag am Hambacher Forst für einen schnellen Kohleausstieg und die Rettung des vom Braunkohleabbau bedrohten Waldes demonstriert. Die Veranstalter sprachen von 50.000 Teilnehmern, die Polizei von 25.000 bis 30.000. Die Kundgebung verlief nach Angaben der Polizei friedlich und störungsfrei. Probleme habe es allerdings aufgrund des großen Andrangs bei der Anreise gegeben. Deswegen mussten zeitweise eine Autobahnabfahrt, das Autobahnkreuz Kerpen und der Bahnhof Buir gesperrt werden. Das Gebiet liegt im Landkreis Düren in Nordrhein-Westfalen

Auch die Veranstalter zogen eine positive Bilanz. »Dieser Tag zeigt, wie stark die Klimabewegung inzwischen geworden ist«, freute sich Greenpeace-Geschäftsführer Martin Kaiser. Nach dem Rodungsstopp für den Hambacher Forst durch das Oberverwaltungsgericht Münster gebe es »Anlass zu feiern«. Das Rodungsverbot gilt solange, bis über die Klage des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gegen den Hauptbetriebsplan 2018 bis 2020 für den Braunkohletagebau Hambach entschieden ist.

BUND-Vorsitzender Hubert Weiger wertete die Kundgebung als »starkes Signal der Zivilgesellschaft für einen schnellen Kohleausstieg«. Aufgerufen zu der Demonstration hatten neben dem BUND Greenpeace, die Naturfreunde Deutschland, die Initiative Campact und die Aktion Buirer für Buir. Das Kundgebungsgelände hatte der Energiekonzern RWE kurzfristig zur Verfügung gestellt, nachdem das Verwaltungsgericht Aachen am Vortag ein Demonstrationsverbot der Polizei aufgehoben hatte.

Redner der Umweltorganisationen forderten einen schnellen Kohleausstieg in Deutschland. »Kein Wald, kein Dorf, keine Kirche dürfen mehr für klimaschädliche Kohle geopfert werden«, sagte Greenpeace-Geschäftsführer Kaiser. Die Kohlekommission müsse bis Ende des Jahres einen Plan vorlegen, wie Deutschland seine Energieversorgung schnell genug modernisiert, um die Ziele des Pariser Klimagipfels von 2015 zu erreichen.

Auch der Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Jülich, Jens Sannig, mahnte ein Umdenken in der Politik an. Im rheinischen Braunkohlerevier entscheide sich, ob es gelinge, den CO2-Ausstoß drastisch zu senken und damit das Klima weltweit zu verbessern, sagte der Theologe. »Der Hambacher Wald, dieser kleine, aber schützenswerte Rest eines einst stolzen, riesigen, ungebrochenen Waldes, er könnte ein Symbol werden für das Klimaabkommen von Paris.«

Der Hambacher Forst gilt als Symbol des Widerstands gegen den Kohle-Abbau. RWE wollte dort für den Braunkohletagebau ab Mitte Oktober eigentlich weitere 100 Hektar Wald fällen, die Hälfte des noch stehenden Waldes. Insgesamt umfasst der Tagebau Hambach ein 85 Quadratkilometer großes Abbaufeld. Bis 2040 plant RWE dort den Abbau von insgesamt 2,4 Milliarden Tonnen Braunkohle.

Einige Tausend Menschen nutzten am Samstag die Gelegenheit zu einem Spaziergang in den Hambacher Forst, den die Polizei erst in den vergangenen Wochen von Besetzern und ihren Baumhäusern geräumt hatte. Aktivisten der Bewegung »Ende Gelände« spannten rote Hängematten zwischen die Bäume als »Rote Linie gegen den Kohleabbau«, andere errichteten Barrikaden aus Ästen. Rund 100 Demonstranten gelangten nach Angaben der Polizei Aachen zudem trotz Warnungen vor Lebensgefahr bis an die Abbruchkante des Tagebaus Hambach. RWE habe einen Abbaubagger gestoppt.

»Ende Gelände« kündigte eine Fortsetzung der Proteste an. »Am letzten Oktober-Wochenende werden wir mit Tausenden Menschen wiederkommen und die Braunkohle-Infrastruktur rund um den Tagebau Hambach blockieren«, erklärte Karolina Drzewo. Außerdem wollten Aktivisten im Wald bleiben und neue Baumhäuser errichten. Campact plant Demonstrationen, wenn sich die Kohle-Kommission am 12. Oktober in Berlin zu ihrer nächsten Sitzung trifft. epd/nd

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