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Eck und Kante

Rap von Haszcara

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Die Verdienste des sich als antifaschistisch verstehenden Musiklabels Audiolith sind bekannt: Ihm verdanken wir etwa den politisch zwar schwer engagierten, formal jedoch wenig ambitionierten Bierzeltrock von Feine Sahne Fischfilet oder den anti-völkischen Pop von Egotronic. Hauptsache also, es knallt ordentlich und den Neonazis wird ihre Armseligkeit vorgeführt, so scheint die zentrale Ästhetik der Plattenfirma zusammenzufassen zu sein, und das ist ja auch gut so. Nur: Die Frage, warum einer von links intervenierenden oder sich zumindest als gesellschaftskritisch verstehenden Musik häufig eine meist geradezu verstörende textliche Einfalls- und Anspruchslosigkeit zu eigen ist, ist noch nicht befriedigend beantwortet. Liegt es schlicht am traditionellen Desinteresse vieler Linker an Fragen der künstlerischen Form?

Das Problem ist also das alte, im deutschsprachigen Rock/Pop ebenso wie im Rap. Rapperinnen und Rapper wie Haszcara (um deren Debütalbum es hier gehen soll) scheinen meist nicht besonders sensibel für die tote Sprache der Reklame und der Massenkultur. Da kommen eben dann schnell solche Zeilen heraus, die irgendwo zwischen Helene Fischer und der literarischen Plattform in der Jungen Union, zwischen Selbstmotivationsjargon und Poesiealbumlyrik liegen: »Du wolltest mein Feuer löschen, aber du hast es erst entfacht«, »was weißt du schon vom Leben und Sterben? Da draußen ist so viel und alles andere steht in den Sternen«, »ich mach Rap, weil er mich bewegt in meinem Herzen«, »denn je mehr man nachdenkt, geht / man einen Schritt Richtung Zukunft / dort finde ich Zuflucht und Sinn für das Gute.« Ja, das sind mal freshe Rhymes, nahezu perfekt fürs Teekränzchen bei den neuen Nachbarn.

Auch das Label selbst pflegt in den seinen Veröffentlichungen beigegebenen Reklamezetteln denselben aus ausgeleierten und totgerittenen Phrasen zusammenmontierten Sound, bei dessen Lektüre man nie so genau weiß: Liest man da gerade die »Bravo«, ein Klatschblatt, das Edeka-»Kundenmagazin«? »Ein Longplayer, der Schwerkräfte überwindet und das Spannungsfeld zwischen den Polen skizziert«, »ein Konzeptalbum, mit dem sie ihre künstlerische Vision fortentwickelt«, »Inhalte und Emotionen drückt sie durch das perfekte Zusammenspiel von Texten und Instrumentals aus«, »dabei liegt ihre Stärke gerade in der Verletzlichkeit und dem Mut, diese zu zeigen«, »sie zeigt nicht nur, was sie kann, sie zeigt, wer sie ist: eine (…) Rapperin mit Tiefgang, eine Musikerin mit Ecken und Kanten«.

Liest man diesen aus mausetotem Sprachabfall bestehenden Schmarren, hat man keine Lust mehr, die damit beworbene Musik anzuhören. Es wird halt der übliche Schlagereintopf sein, unterlegt mit den dazu passenden »empowernden« oder »tighten« »Beats« usw.

Haszcara: »Polaris« (Audiolith/Broken Silence)

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