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Eisbären aus Florida

Basketball-Bundesligist Bremerhaven hat sich in die Hände eines US-Gesellschafters begeben. Der soll helfen, wirklich gute amerikanische Profis zu verpflichten

  • Von Tobias Brinkmann und Lars Reinefeld, Bremerhaven
  • Lesedauer: 3 Min.

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Das Trainingszentrum der Eisbären Bremerhaven liegt direkt am Amerikaring. Nach dem 2. Weltkrieg war dort fast 50 Jahre lang eine Einheit der US Army mit mehr als 4000 Soldaten untergebracht. Seit Sommer ist der Ort nun wieder unter amerikanischer Regie. Die DME Sports Academy aus Florida ist als Gesellschafter beim Basketball-Bundesligisten eingestiegen. Und dieses einmalige, aber auch umstrittene Konstrukt lässt den klammen Verein aus der Nordseestadt nach Jahren des Abstiegskampfes von besseren Zeiten träumen.

Dafür haben sich die Bremerhavener fast komplett in US-Hände begeben. DME-Besitzer Dan Panaggio, ein früherer Co-Trainer aus der NBA und gleichzeitig neuer Eisbären-Sportdirektor, hat im Sommer sechs neue Profis aus den USA nach Bremerhaven gelotst. Nicht immer wurde darüber vorher mit Trainer Arne Woltmann gesprochen. »Dan hat entschieden, wenn er meinte, ein Spieler sei gut für die Eisbären«, sagte Bremerhavens Coach.

Auch wenn der Weg, den die Eisbären im Sommer eingeschlagen haben, laut Woltmann »alternativlos« für die Bundesliga-Zugehörigkeit sei, klingt etwas Skepsis beim früheren A2-Nationaltrainer mit. »Daraus kann etwas entstehen«, sagte Woltmann zögerlich. »Aber nicht auf Knopfdruck. Wir sind selbst in einem Findungsprozess. Wir müssen uns auch erst einmal aneinander gewöhnen.« Totale Zuversicht über die Zusammenarbeit mit Panaggio würde wohl anders klingen.

Denn was passiert, wenn es nicht passt? Was hat ein 73 Jahre alter früherer Assistent von NBA-Trainerlegende Phil Jackson mit seiner Akademie aus Daytona Beach überhaupt von einer Beziehung mit einem abstiegsbedrohten deutschen Bundesligisten? »Nun, die Eisbären sind Teil einer außergewöhnlichen Liga in Europa. Die deutsche Liga befindet sich im Aufwind, sie hat eine glänzende Zukunft vor sich. Darum kann unsere Partnerschaft sowohl für die Eisbären als auch für uns eine lohnende Sache sein«, sagte Panaggio jüngst der »Nordsee-Zeitung«.

Dazu gebe es Pläne, in Deutschland eine DME-Akademie zu eröffnen - am Standort Bremerhaven. Europäische Talente sollen sich dort für den US-Markt interessant machen und womöglich für die Eisbären auflaufen. »Die Amerikaner sind nun einmal im Basketball eine andere Liga als wir in Deutschland. Da wäre es doch dumm, wenn man das Knowhow nicht nutzt«, betonte Bremerhavens Geschäftsführer Wolfgang Grube. Panaggio kenne »Hinz und Kunz, und er hat Spaß daran.«

Hinz und Kunz sind in diesem Fall Basketballprofis oder Spielerberater. Unternehmer Grube weiß um die Schwierigkeiten bei einer Verpflichtung von amerikanischen Basketballern. »Wir kaufen alle die Katze im Sack. Wir sehen Highlightvideos der Spieler, und wenn sie dann da sind, sind sie entweder verletzt oder haben Heimweh. Oder sie sind barfuß ein paar Zentimeter kleiner als in ihren Stöckelschuhen«, sagte Grube. Mit dem neuen Sportdirektor soll das nicht mehr passieren. »Dan kennt unglaublich viele Spieler, davon können wir nur profitieren.«

So gelang es den Eisbären, mit Darnell Jackson einen Profi mit der Erfahrung von 138 NBA-Begegnungen zu verpflichten. »Er ist ein Leader«, sagte Trainer Woltmann über den 2,06 Meter großen früheren Spieler der Cleveland Cavaliers, Milwaukee Bucks und Sacramento Kings.

Woltmann muss nun aus dem von Panaggio fast im Alleingang zusammengestellten Kader eine Mannschaft formen, die konkurrenzfähig ist. Mit einem Sieg und einer Niederlage war der Ligastart ordentlich. Im Pokal gab es eine deutlich Klatsche gegen Bonn. »Das ist alles sehr schwierig«, gibt der Trainer zu. »Wir befinden uns noch in der Kennenlernphase.« dpa/nd

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