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Per Floß nach Mexiko

Honduranische Migranten machen sich auf den beschwerlichen Weg in die USA

  • Von Kathrin Zeiske, Mexiko Stadt
  • Lesedauer: 4 Min.

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Migranten aus Honduras überqueren mit einem selbstgebauten Floß den Fluss Suchiate nach Mexiko.
Migranten aus Honduras überqueren mit einem selbstgebauten Floß den Fluss Suchiate nach Mexiko.

Nach dramatischen Szenen an der Grenze zwischen Mexiko und Guatemala kehrte etwas Ruhe ein. 2000 Menschen entschieden sich laut der gutemaltekischen Regierung am Wochenende, nach Honduras umzukehren. Andere warten weiter auf die Einreise nach Mexiko. Bis zu 6000 Menschen Männer, Frauen und Kinder haben sich vergangene Woche von Honduras aus auf den Weg in die USA gemacht. Sie durchquerten das Nachbarland Guatemala und stehen nun an der mexikanischen Grenze. US-Präsident Donald Trump hatte zunächst erfolglos gedroht, Honduras den Geldhahn abzudrehen, wenn die Karawane nicht gestoppt würde. Nun zahlt sich für ihn die vorgelagerte Migrationskontrolle auf dem Territorium Mexikos aus. Präsident Enrique Peña Nieto schickte Einheiten der Migrations- und Bundespolizei, um die Menschen vor der Grenzstadt Tapachula zu stoppen. Auf der Brücke über den Grenzfluss Suchiate setzte die Polizei Tränengas ein und ging gewaltsam gegen die mindestens 4000 Einwanderungswilligen vor. Vorab wurden auch schon Unterstützer der Bewegung Richtung Norden mit Polizeirepression überzogen. Der honduranische Aktivist Bartolo Fuentes wurde bei Eintritt nach Guatemala von den Behörden festgesetzt; der US-Mexikaner Irineo Mújica, der in beiden Ländern für Migranten eintritt, in Tapachula verhaftet.

Nur wenige Dutzend Frauen und Kinder aus Honduras wurden ins Land gelassen. Die aufgenommenen Flüchtlinge sollen nach ihrer Registrierung durch die Einwanderungsbehörde in eine Aufnahmeeinrichtung in der Stadt Tapachula gebracht werden. In Tapachula befindet sich das größte Abschiebegefängnis von Lateinamerika, benannt »Station 21. Jahrhundert«. Migranten versuchen auf Güterzügen das engmaschige Kontrollnetz auf den Landstraßen zu umgehen.

In den vergangenen Jahren haben sich immer wieder Menschen aus Mittelamerika in Karawanen zusammengetan, um sich auf dem Weg durch Mexiko in die USA gegenseitig Schutz gegen Entführungen durch Drogenkartelle und Überfälle und Abschiebungen durch Beamte zu geben. Doch der Großteil der Migration gen Norden geschieht klandestin, selbstorganisiert oder mit professionellen Fluchthelfern. Im ersten Halbjahr 2018 wurden fast 37 000 Honduraner und Honduranerinnen von den Vereinigten Staaten und Mexiko aus in ihr Herkunftsland zurückgeschoben. Zwei Drittel dieser Abschiebungen hat der mexikanische Staat durchgeführt, der sich zu einer De-facto-Außengrenze der USA entwickelt hat.

Doch die Migration aus Honduras, Guatemala und El Salvador hat sich im vergangenen Jahrzehnt in eine Fluchtbewegung gewandelt. Santiago Martínez, Migrationsexperte und Universitätsdozent aus Tapachula, empört sich über mangelnde Solidarität in seinem Umfeld: »Dies ist keine Migrationskrise, es ist eine Flüchtlingskrise. Es handelt sich hier um eine Karawane von Flüchtlingen.« Denn aus Mittelamerika brächen nicht mehr junge Männer im arbeitsfähigen Alter in die USA auf wie noch zur Jahrtausendwende. Heute sind es ganze Familien, vom Baby bis zur Greisin, die über Nacht alles zurücklassen müssen, um vor der Gewalt von Jugendbanden und Drogenhändlern zu fliehen, vor Vertreibungen für Megaprojekte sowie einer umfassenden Straflosigkeit in den mittelamerikanischen Ländern. »Die Menschen haben Anrecht auf Asyl, und das muss im Einzelfall überprüft werden, bevor die mexikanischen Behörden sie zurückschicken.«

Abgesehen vom Asylrecht existieren auch Humanitäre Visa, die einen 90-tägigen Aufenthalt in Mexiko ermöglichen. Genug Zeit für die Familien, um die Vereinigten Staaten zu erreichen. Doch US-Präsident Trump droht per Twitter, dass es keinen Einlass geben wird. Seine »Zero Tolerance«-Einwanderungspolitik machte im Sommer weltweit Schlagzeilen mit der Trennung von Babies, Kindern und Jugendlichen von ihren Familien durch die US-Grenzpolizei. Laut Amnesty International soll mindestens 8000 Familien dieses Schicksal widerfahren sein. Die in Texas ansässige Chicano-Organisation LUPE, in der in den USA lebende Mexikaner und ihre Nachfahren organisiert sind, prangert jedoch an, dass diese Praxis im Stillen weitergeführt wird. Eine Trennung von Familien wurde allerdings auch schon unter der Regierung Obama durch die Migrationspolizei ICE in den US-amerikanischen Städten vollzogen, die Menschen ohne Papiere zuhause und bei der Arbeit aufspürt.

Der gewählte mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador, der am 1. Dezember sein Amt antritt, hat den Menschen aus Honduras derweilen Arbeitsvisa zugesichert. Noch ist das Zukunftsmusik.

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