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Einigkeit und Recht und Meinungsfreiheit

Christoph Ruf über zwei tolldreiste Dickköpfe beim FC Bayern und die Schattenseiten der Münchner Macht

  • Von Christoph Ruf
  • Lesedauer: 4 Min.

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Es ist doch schön, wenn sich die Menschen einmal so einig sind, wie sie es seit dem vergangenen Freitag sind: Die soap opera, die die beiden Bayern-Bosse und der Praktikant, der zwischen ihnen saß, da aufgeführt haben, war nicht nur an Lächerlichkeit nicht mehr zu überbieten. Sie war auch ein klassisches Eigentor. Selbst eingefleischte Fans der Münchner schütteln seither nur noch den Kopf über den tolldreisten Versuch von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Präsident Ulrich Hoeneß, die Berichterstattung in ihrem Sinne zu beeinflussen.

Was Hasan Salihamidzic mit seinem Kopf macht, ist derweil nicht so recht überliefert. Der Mann war als Spieler ein netter Kerl, manch cleveres Bonmot ist überliefert. Wie viel er beim FC Bayern als Sportdirektor zu melden hat, hat man am Freitag gesehen. Da wollte er einmal etwas sagen, doch Rummenigge fiel ihm umgehend ins Wort. In solch einem Binnenklima arbeiten zu müssen, ist nicht schön. Das erinnert an die rot-grüne Koalition, in der der damalige Innenminister Otto Schily über die Staatssekretärin in seinem Ministerium sagte: »Schiffstaufen kann sie gut.« Wie gut, dass es von München aus so weit zum Meer ist.

Es gibt ja viele gute Gründe, Twitter beim Durchdrehen zu ignorieren. Seit Freitag gibt es dort allerdings einige sehr lustige Verballhornungen der drei zu sehen. Und auch die klassischen Medien haben sie zu Schönem und Lustigem inspiriert. Dass die »taz« den FC Bayern trotz beträchtlichem Punkterückstand auf Platz eins ihrer Tabelle setzte, war großartig. Das hätte wohl sogar den Pressesprecher der Bayern belustigt - wenn der Rekordmeister einen hätte. Eine Kommunikationsabteilung, die ihre Arbeit versteht, hätte diesen peinlichen Auftritt jedenfalls zu verhindern gewusst. Oder hat sie es womöglich probiert und ist beim Versuch, mit Argumenten durchzudringen, an den beiden Dickköpfen gescheitert?

So könnte es gewesen sein. Denn bei Menschen, die Fußballer, die bei anderen Vereinen spielen, mit Fäkalausdrücken (»spielt Scheiße«, »spielt einen Dreck«) charakterisieren und sich nicht schämen, für so etwas Banales wie die Berichterstattung über ihren Verein Artikel eins des Grundgesetzes in Anspruch zu nehmen, kommt wohl jedes Zureden zu spät. Die führen auch Begriffe wie »Moral« und »Anstand« im Mund, wenn sie selbst wegen Steuerhinterziehung verurteilt wurden.

Bliebe die Frage, was ursprünglich die Absicht hinter der unfreiwilligen Selbstdemaskierung der Bayern-Führungsebene gewesen sein könnte. Hatte man gehofft, Journalisten einschüchtern zu können? Indem man sie namentlich nennt und Ihnen das ungeheure Verbrechen vorwirft, sie hätten den Verdacht nahegelegt, die Angestellten Arjen Robben und Franck Ribéry seien so jung wie Mats Hummels schnell ist? Ging es um eine Nebelkerze, um die Aufmerksamkeit von Trainer Niko Kovac und der Mannschaft abzulenken? Oder wollte man einfach ein bisschen Rabatz machen, um danach anzukündigen, dass man künftig überhaupt nicht mehr mit Journalisten spricht, die journalistische Fragen stellen. Sondern nur noch mit den Mikrofonen der drei eigenen TV-Kanäle, bei denen man die Kommunikation natürlich merklich besser steuern kann?

Am wahrscheinlichsten ist eine Mischung aus all dem, gut verrührt mit einem Schuss jener Eigenschaft, die von Madonna bis Helmut Kohl noch jeden befallen hat, der sich zu lang auf der Sonnenseite der Macht wähnte: grassierenden Realitätsverlust. Mit kritischer Berichterstattung haben sie alle ein Problem. Wen kann es da wundern, dass das auch auf einen Verein zutrifft, der sich noch nie substanziell dazu geäußert hat, wie es sein kann, dass er auf der einen Seite das Andenken an seinen jüdischen Ex-Präsidenten Kurt Landauer in Ehren hält, auf der anderen Seite aber gut dotierte Testspiele in Saudi-Arabien durchführt. In einem Land, in das israelische Staatsbürger nicht einreisen dürfen und aus dessen Botschaften missliebige Journalisten nicht mehr lebend herauskommen.

Man darf gespannt sein, wie sich die Fan-Community der Münchner Bayern in den kommenden Tagen verhält. Besonders in der Südkurve gibt es dort ja einige helle Köpfe. Nicht gespannt braucht man hingegen auf das mediale Echo zu sein. Was im echten Leben so gut wie nie vorkommt, nämlich eine völlig einhellige Meinung bei allen relevanten Medien von »Bild«, »Welt« über »FAZ« und »SZ« bis zur »taz« und dem »nd« - das haben nun Rummenigge und Hoeneß geschafft. Schön, wenn sich Menschen so einig sind.

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