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  • Kultur
  • Erklärung der Vielen

Die Kunst bleibt frei

300 Kunst- und Kultureinrichtungen unterstützen Erklärung gegen Rassismus, Sexismus und Ausgrenzung

  • Von Florian Brand
  • Lesedauer: 3 Min.

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Wer einen angreift, greift ab heute uns alle an», sagte die Geschäftsführerin der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst, Lilian Engelmann, zur Präsentation der «Berliner Erklärung der Vielen» am vergangenen Freitag im Max-Liebermann-Haus in Berlin-Mitte. Die Initiative des gemeinnützigen Vereins «Die Vielen e.V.» will damit ein Zeichen gegen Rassismus, Sexismus und Ausgrenzung setzen. Bundesweit hätten bislang mehr als 300 Kunst- und Kultureinrichtungen diese Erklärung unterzeichnet, 140 davon allein in Berlin, so ein Vorstandsmitglied der Stiftung Brandenburger Tor, Kai Uwe Peter. Die «Berliner Erklärung der Vielen» sei Teil einer bundesweiten Kampagne, die ein deutliches Signal gegen rechtspopulistische und völkisch-nationale Strömungen setzen wolle. «Ziel ist die Beförderung internationaler Gesinnung, der Toleranz auf allen Gebieten der Kultur und des Völkerverständigungsgedanken», so die Initiator*innen. Gleichzeitig fanden Veranstaltungen in Hamburg, Dresden und Düsseldorf statt. Peter erinnerte an den jüdischen Maler und Grafiker Max Liebermann, dem der viel zitierte Satz «Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte» zugeschrieben wird, den dieser nach der Machtergreifung der NSDAP geäußert haben soll. Er starb im Februar 1935. Seine Frau Martha Liebermann beging 1943 kurz vor ihrer Deportation ins KZ Theresienstadt Selbstmord.

HAU-Intendantin Annemie Vanackere mahnte, «dass Solidarität viel wichtiger ist als die ewige profilneurotische Konkurrenz zwischen den Institutionen». Sie verwies auf Artikel 11 der «Erklärung der Vielen», wonach die Unterzeichnenden «sich zu gegenseitiger Solidarität mit Kultureinrichtungen und Akteur*innen der Künste» verpflichten, «die durch Hetze und Schmähungen unter Druck gesetzt werden». «Wir haben die Freiheit der Kunst viel zu lange für selbstverständlich gehalten», so Vanackere.

«Je kleiner der Ort, desto größer die Bedrängung», sagte der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann. «Der Staat muss seine Aufgabe, die Kunst zu schützen, wieder ernst nehmen», forderte Zimmermann mit Blick auf die Absage des Konzertes der Punkband Feine Sahne Fischfilet durch die Stiftung Bauhaus in Dessau.

Shermin Langhoff zufolge ist die Unterzeichnung der Erklärung derweil eine Selbstverständlichkeit: «Weil sie nicht viel mehr aussagt als unser Grundgesetz und eine offene Gesellschaft befürwortet», sagte die Intendantin des Maxim-Gorki-Theaters am Rande der Veranstaltung dem «nd». Gleichzeitig mahnte sie, stets kritisch-reflektierend auf das eigene Handeln zu blicken. «Man kann nicht als deutscher Bühnenverein von ökonomisch Nicht-Privilegierten sprechen, während ein Ticket in den ersten Reihen 38 Euro kostet.» Angesichts des gesellschaftlichen Rechtsrucks hätten auch die Kunst und Kultur einiges aufzuarbeiten und müssten sich diesem Problem stellen, so Langhoff. «Wir können dabei Lautsprecher sein und Räume schaffen, um das zu thematisieren. Aber wir können nicht retten, was die Politik nicht schafft.» Es sei zudem traurig, mit anzusehen, wie Populisten auch in anderen Parteien an Einfluss gewännen, sagte Langhoff mit Blick auf einen möglichen CDU-Vorsitz unter Friedrich Merz. Dabei gebe es selbst in der CDU noch Kandidat*innen, die wüssten, was «christlich-sozial» bedeutet.

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