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Investitionen, Reallabore und Professuren

Bis 2025 will die Bundesregierung die Entwicklung Künstlicher Intelligenz mit drei Milliarden Euro fördern

  • Von Ulrike Henning
  • Lesedauer: 4 Min.

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In Sachen Digitalisierung will die Bundesregierung jetzt wieder einmal Nägel mit Köpfen machen und auch eine Strategie für Künstliche Intelligenz (KI) beschließen, mit der eine internationale Spitzenposition in diesem Feld erreicht werden soll. Zur Beratung über diese Fragen sind Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihre Minister für zwei Tage beim Hasso-Plattner-Institut für Digital Engineering in Potsdam zu Gast. Zu der Kabinettsklausur sind auch externe Experten eingeladen. Auf dem Programm stehen neben der KI-Förderung die Themen digitale Verwaltung, Umgang mit persönlichen Daten, Bedrohung von Bürgern, Staat und Unternehmen im Cyberraum und Ausbau des schnellen Internets.

Auch die Bürger sollten im Alltag von der Digitalisierung profitieren, so lautet die Losung der Regierung. Von Seiten des Staates geht es dabei zunächst darum, endlich gängige Verwaltungsleistungen wie Autoanmeldungen oder Anträge für Personalausweise rund um die Uhr online anzubieten. Bei der aktuellen Kabinettsklausur soll ein schnelles Digitalisierungsprogramm für die 115 Leistungen des Bundes verabschiedet werden. 460 weitere Verwaltungsaufgaben, bei denen direkte Anliegen von Bürgern bearbeitet werden, gibt es außerdem bei Ländern und Kommunen. Bis 2022 sollen auch die hierfür nötigen Formulare permanent im Internet zugänglich sein. Weiterhin versprach Kanzleramtsminister Helge Braun am Rande der Klausur den Ausbau eines flächendeckenden Glasfasernetzes bis 2025 - dann solle es einen Rechtsanspruch auf schnelles Internet für alle Bürger geben. Bei diesen Themen geht es eher darum, dass lang angekündigte Hausaufgaben endlich gemacht werden.

Anders sieht es beim Thema Künstliche Intelligenz aus. KI kann als Sammelbegriff für Computersysteme verstanden werden, die in der Lage sind, Probleme eigenständig zu erfassen und zu lösen. Darüber wird zwar in vielen Branchen wie dem Gesundheitswesen und der Logistik zunehmend häufiger diskutiert, jedoch kommen entsprechende Lösungen noch zu selten von deutschen Unternehmen. Das soll sich ändern.

Die Bundesregierung will die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz in Deutschland mit erheblichen zusätzlichen Mitteln anschieben. Bis einschließlich 2025 sollen dafür insgesamt etwa drei Milliarden Euro zur Verfügung stehen. Das geht aus dem 78 Seiten starken Maßnahmenplan hervor, den das Kabinett am Ende der Digitalklausur am Donnerstag beschließen will. Von den Investitionen im Rahmen ihrer KI-Strategie erhofft sich die Bundesregierung eine erhebliche Hebelwirkung. Diese werde mindestens zur Verdoppelung der zentral bereit gestellten Mittel führen. Einen wesentlichen Beitrag soll außerdem die geplante steuerliche Forschungsförderung bringen.

Die Bundesregierung will zusätzliche Beratungszentren und Reallabore schaffen, in denen Unternehmen neue Technologien ausprobieren können. Zudem sollen die Haushaltsmittel für Existenzgründungen aus der Wissenschaft im nächsten Jahr verdoppelt und Förderprogramme im Bereich Wagniskapital ausgebaut werden. Bislang ist die Bundesrepublik bei den Start-ups in diesem Feld noch abgeschlagen. Das »Handelsblatt« nannte für Deutschland ganze 106 solcher aufstrebender Unternehmen, in den USA seien es aktuell 1393, in China 383. Die KI-Forschung in der Bundesrepublik wird zwar bereits als »exzellent« eingeschätzt, soll aber durch 100 neue Professuren weiter gefördert werden.

Die Entwicklung und Beherrschung von KI werden als Schlüsselfrage für die langfristige internationale Wettbewerbsfähigkeit angesehen. Bereits real ist ihr Einsatz in den Bereichen autonomes Fahren, medizinische Diagnostik oder bei automatisierten Produktionsprozessen. Die Erwartungen an die Effekte aus diesem Bereich sind hoch. Deutschland könne mittels KI bis 2030 das jährliche Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 1,3 Prozentpunkte steigern, schätzt das Beratungshaus McKinsey. Insgesamt erwarten die Marktanalysten bis 2030 von Anwendungen auf KI-Basis einen zusätzlichen globalen Wertschöpfungsbeitrag in Höhe von 13 Billionen Dollar.

Eine der kritischen Nebenwirkungen der Entwicklung dürfte der Wandel in der Arbeitswelt sein. Laut Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) gingen bis 2025 etwa 1,6 Millionen herkömmliche Arbeitsplätze durch Automatisierung und den Einsatz von KI verloren, gleichzeitig entstünden etwa 2,3 Millionen neue Arbeitsplätze in Deutschland - jedoch mit anderen, höheren Anforderungen. Ein nach dem Kabinettsplan neu zu gründendes Deutsches KI-Observatorium soll beobachten, wie sich die Technologie in der Arbeitswelt auswirkt.

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