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  • Politik
  • Wechsel im Verfassungsschutz

Spannender Stellvertreter

Mit Sinan Selen wird erstmals ein Mensch mit Migrationshintergrund zum zweitwichtigsten Mann des Verfassungsschutzes

  • Von Sebastian Bähr
  • Lesedauer: 2 Min.

Spannender als der Aufstieg des bisher kaum aufgefallenen Verfassungsschutz-Vizes Thomas Haldenwang zum neuen Chef des Verfassungsschutzes, ist vorerst sein eigener Stellvertreter. Regierungskreise in Berlin bestätigten jüngst, dass der in Istanbul geborene Sinan Selen neuer Vize der umstrittenen Behörde werden soll. Die Ernennung des 46-jährigen Juristen sorgte beim »Tagesspiegel« für Freude: Es ist ein »starkes« und »überfälliges« Signal, dass ein Spitzenposten in den Sicherheitsbehörden mit »einem Mann mit Migrationshintergrund« besetzt werde. Rechtsradikale mokierten sich erwartungsgemäß, der grüne Abgeordnete Konstantin von Notz lobte dagegen die Personalentscheidung. »Die Besetzung des Postens ist eine begrüßenswerte und erfreuliche Entscheidung«, so der Politiker. Selen bringe viel Erfahrung mit, »intern und extern des Bundesinnenministeriums«.

Die »externe Erfahrung« dürfte auf Selens Tätigkeiten in der freien Wirtschaft anspielen. Der Jurist war seit 2016 Leiter der Konzernsicherheit beim Reiseunternehmen TUI. Seine Karriere bei den Sicherheitsbehörden begann er im Jahr 2000 beim Bundeskriminalamt. Als Chef einer Ermittlungseinheit soll er zwei Islamisten aufgespürt haben, die 2006 offenbar Anschläge geplant hatten.

Für Linke dürften Selens Kontakte zur Türkei interessant sein. 2016 wurde der Referatsleiter im Zuge des Flüchtlingsdeals zum »Sherpa« für Ankara ernannt. Die Bundesregierung erklärte in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion seine Aufgabe: Selen sollte demnach als eine Art Verhandlungsführer und Verbindungsoffizier die »Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terror vertiefen«, vor allem gegen den Islamischen Staat, die PKK und die linksradikale DHKP-C. Die einen haben einen Genozid an den Jesiden begangen, die anderen zu verhindern versucht, eine Rolle hatte dies weder für Berlin noch für Ankara gespielt. »Die Türken sollen zumindest glauben, künftig mit einem der ihren zu sprechen«, schrieb damals die »Welt«.

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