Anthropogähn

Von Pfandflaschen und Leergutkästen: »A Monteverdi Project« an der Staatsoper Berlin

  • Von Irene Constantin
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.

Die Türen des Apollosaals in der Berliner Lindenoper öffnen sich - und der Raum ist mit Bierflaschen vollgestellt. Auf den Flaschenhälsen stehen die Sänger und Tänzer. Wie haben sie die Positionen erreicht, ohne Scherben zu machen?

Der Balanceakt auf den Gefäßen unserer Süchte ist Sinnbild des Kerngedankens für diese Produktion. Länger schon arbeitet sich die Choreografin und Regisseurin Saar Magal am Begriff des Anthropozäns ab. Es ist das gegenwärtige Erdzeitalter, in dem der Mensch die geologischen und biologischen Prozesse auf unserem Planeten bis zur Unkenntlichkeit umgestaltet. Einer der tiefsten Antriebe für dieses Vorgehen, so Magal, sind die Süchte des Menschen: Bestimmt die Freude am Getränk das Bühnenbild von Irina Mafli und Sylvia Rieger, so ist Liebe, Krieg und auch Liebeskrieg doch das eigentliche Metier von Musik und Tanz. Claudio Monteverdi nannte sein VIII. Madrigalbuch sinnreich »Madrigali guerrieri e amorosi«.

Acht T...

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