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Rechte Verstrickungen bei Leipziger »Berlin Tag und Nacht«-Abklatsch?

RTL und ein MMA-Kämpfer weisen die Vorwürfe entschieden zurück

  • Von Fabian Hillebrand
  • Lesedauer: 3 Min.

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Das linke »Ladenschluss«-Bündnis aus Leipzig hat scharfe Kritik an der Auswahl eines Drehorts und eines Darstellers in der neuen RTL2-Serie »Leben.Lieben.Leipzig« geübt. Eine der Darsteller habe wiederholt an einem Kampfsportevent der rechtsextremen Szene teilgenommen, der »Imperium Fighting Championship«. Dort sei er in einem Team mit Rechtsextremen aufgelaufen. Auch ein in der Serie zu sehendes Tabledance-Lokal sei in Wirklichkeit ein Treffpunkt der regionalen Naziszene, kritisiert das Bündnis weiter.

Die Serie ist eine Verlagerung der Serien »Berlin Tag und Nacht« in die Messestadt im Osten. Der Sender griff dafür tief in die Klischee-Kiste: Die Darsteller heißen Mandy und Doreen, sind solariumgebräunt, es gibt einen testosterontriefenden Frauenheld und einen verschuldeten GoGo-Barbesitzer. Und eben Nebendarsteller Norman Jendrejczk, der als Schutzgelderpresser Ronny auftritt.

Mit dem Auftritt von Jendrejczk, so kritisiert das Bündnis, würden der Sender RTL und die beteiligte Produktionsfirma sich »aktiv an der Normalisierung neonazistischer Umtriebe« beteiligen. Dass ein Freefighter mit Verbindungen zu Neonazis Darsteller in einer Seifenoper sei, sei nicht hinnehmbar, erklärte eine Sprecherin. Man fordere die Verantwortlichen auf, sich von ihm und der Tabledance-Bar »zu distanzieren und eine weitere Zusammenarbeit auszuschließen«.

Jendrejczek zeigt sich gegenüber dem »nd« empört über die Vorwürfe. Er hätte zwar damals auf dem Event gekämpft, aber entgegen der Darstellung des Bündnisses in einem anderen Team, dem »Bitterfeld Fightclub Bronxx«. Er sei als Kampfsportler dort eingeladen gewesen und hätte sich im Vorfeld keine großen Gedanken um den Charakter des Events gemacht. Die Vorwürfe empfindet er als ungerecht, schließlich »gehe man auch auf andere Sportevents, wie ins Fußballstadion und nicht alle Zuschauer sind da dann politisch sauber«. An einem solchen Event teilnehmen würde er trotzdem nicht nochmal, auch um nicht erneut ins Fahrwasser solcher Anschuldigungen zu kommen. Er habe viele ausländische Kollegen und mit seiner Firma sorge er öfter bei einem kurdischen Fest in Dessau für die Sicherheit. Die Freefight-Szene hätte insgesamt mit einem schlechten Image zu kämpfen, meint der 44-Jährige, auch das könnte für ihn eine Erklärung für die Vorwürfe sein.

Juliane Nagel von der sächsischen Linkspartei findet eine solche Zurückweisung nicht plausibel. »Wer sich mit solchen Leuten einlässt, der weiß wo er hingeht«, sagt die Politikerin dem »nd«. Mehrere ehemalige Mitglieder des Imperium Fight Team waren am 11. Januar 2016 bei einem militanten Angriff auf den alternativen Leipziger Stadtteil Connewitz beteiligt. Das Imperium Fight Team ist ein Zusammenschluss von MMA-Kämpfer, deren Mitglieder sich laut verschiedenen Medienberichten primär aus der rechten Szene rekrutieren. Zentrale Figur und Trainer des Imperium Fight Teams ist der Lepiziger Neonazi Benjamin Brinsa.

Ebenfalls in der Kritik des Bündnisses steht das »Metropolis«. Die Nachtbar in der Großen Fleischergasse zählt zu den Sponsoren der Kampfveranstaltungen. Dort traffen sich am 7. November 2016 zahlreiche Legida-Sympathisanten, wie die Leipziger Internet Zeitung berichtete. Einige von ihnen sollen vom Dach gefilmt haben, andere : »Wir haben Euch was mitgebracht, Hass, Hass, Hass.« und »Wir kriegen Euch alle« gerufen haben.

Ein Sprecher von RTL 2 weist die Vorwürfe des Bündnisses derweil zurück: »Extremistische Anschauungen und Handlungen, egal welcher Motivation, sind zu keinem Zeitpunkt und in keiner Weise akzeptabel«, erklärte der Sprecher.

Weiter sagte der Sprecher, RTL2 verpflichte ausführende Produktionsfirmen »grundsätzlich zu größtmöglicher Sorgfalt, sowohl in der Vorbereitung und Recherche als auch bei der Ausführung der Produktion am Drehort«. Der Produzent der Serie habe versichert, dass bei der Produktion zu keinem Zeitpunkt Auffälligkeiten wahrgenommen worden seien. Das betreffe die Vorwürfe sowohl wegen des Drehorts als auch wegen des Darstellers. Zugleich erklärte der Sprecher: »Wir werden den Sachverhalt nochmals prüfen.«

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