Grenzsicherung am Spree-Ufer

Stiftung Berliner Mauer garantiert Erhalt der East Side Gallery und verspricht neues Konzept

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 3 Min.

»Für mich ist das heute ein Tag der Freude«, erklärte Berlins Kultursenator Klaus Lederer (LINKE) am Mittwoch bei einem Vor-Ort-Termin an der East Side Gallery. Seit dem 1. November befindet sich das 1,3 Kilometer lange Teilstück der Berliner Mauer an der Mühlenstraße im Stadtteil Friedrichshain in der Obhut der landeseigenen Stiftung Berliner Mauer. Ab der Jahreswende 1989/1990 hatten dort 118 Künstlern aus 21 Ländern in einer gemeinsamen Aktion die einzelnen Betonsegmente bemalt. Nun ist klar, dass das Land der Stiftung 250 000 Euro pro Jahr für deren Erhalt zur Verfügung stellt. »Die Hängepartie ist damit vorbei«, so Lederer.

Die wichtigste Botschaft kam wohl von Axel Klausmeier, Direktor der Mauer-Stiftung, der sich mit Lederer und Kani Alavi, dem Vorsitzenden der Künstlerinitiative East Side Gallery, am Mauerdurchbruch gegenüber dem Mercedes-Benz-Platz getroffen hatte: Die Galerie bleibt bestehen, weitere Teilabrisse werden nicht zugelassen. »Hier wird es keine Baugenehmigungen mehr geben. Das können wir hundertprozentig ausschließen. Die Grundstücke sind an unsere Stiftung übertragen worden.«

An den zwischen East Side Gallery und Spree aufgestellten Mauersegmenten, die beispielsweise dem Bau des Luxuswohnturms »Living Levels« hatten weichen müssen, erklärten die beteiligten Seiten, wie es künftig an diesem touristischen Hotspot der Hauptstadt weitergehen soll. Jedes Jahr wollen drei Millionen Menschen aus aller Welt dieses Zeugnis der Teilung Berlins und ihrer Überwindung mit eigenen Augen sehen. Mit der Übertragung der »längsten Open-Air-Gallery« in ihr Eigentum trage die Stiftung Berliner Mauer nun die »Verantwortung für den Erhalt des Denkmals, die Pflege des Areals inklusive der zugehörigen öffentlichen Grünflächen sowie für die Vermittlung des historischen Erinnerungsortes«, heißt es in einer Mitteilung.

Für den Kultursenator ist die Galerie in zweierlei Hinsicht einzigartig - als Ort sowohl der Freude über die Überwindung der Teilung der Stadt, als auch des würdigen Gedenkens der Opfer der Mauer. Beides finde hier sowohl über Bildungsarbeit als auch künstlerische Auseinandersetzung statt. »Mit der Übertragung der East-Side-Gallery an die Stiftung sind nun die Voraussetzungen geschaffen, auch zukünftig zu erinnern und aufzuklären, zu zeigen, dass zementierte und bewehrte Abschottung kein dauerhaftes Mittel gegen den Freiheitswillen des Menschen ist«, so Lederer.

Stiftungsdirektor Axel Klausmeier will mit neuen Konzepten den Besuchern den historischen Ort als Teil des DDR-Grenzregimes begreifbar machen und zugleich die Einzigartigkeit der Kunstaktion nach dem Mauerfall vermitteln. Es fehle eine touristische Infrastruktur und eine geeignete Dokumentation - zur Berliner Mauer, aber auch zu den einzelnen Kunstwerken. Noch 2018 werde es einen Runden Tisch dazu geben. Im Raum stehe etwa eine neue Open-Air-Ausstellung. Das Gelände und jedes Mauersegment werde vermessen, mit einer archäologisch Grabung wolle man Reste eines DDR-Wachturmes aufspüren. »Mir ist es wichtig, diesen historischen Ort erst einmal genau zu verstehen«, sagte er. Vom Senat habe man dazu vier Meter Akten übernommen.

Die jüngste Entwicklung stellt auch eine späte Genugtuung für die Aktivisten der Initiativen »Mediaspree versenken« und »East Side Gallery erhalten« dar gegen ein Verschachern des Spree-Ufer an Immobilienspekulanten gestemmt hatten. »Wir begrüßen das ausdrücklich, auch wenn wir damals keinen Erfolg hatten«, sagte Johannes Riedner von »Mediaspree versenken« dem »nd«.

Genugtuung empfindet auch Kani Alavi, der mit seiner Künstlerinitiative das Werk seiner Kollegen schützt - »vor allem vor dem Zugriff irgendwelcher Millionäre«, wie er sagt. »Das wollen wir gemeinsam mit der Stiftung tun.«

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