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Vorauseilend eingeknickt vor der AfD

Warum die ARD den »Polizeiruf« nach Kritik aus der radikalen Rechten nicht hätte ändern sollen

  • Von Robert D. Meyer
  • Lesedauer: 3 Min.

Vor fast genau einem Jahr lief in der ARD ein »Tatort«, in dem es um ein Mordkomplott innerhalb einer Rechtsaußenpartei ging. Dass die fiktiven »Neuen Patrioten« an die ganz reale AfD angelehnt waren, konnte keinem Zuschauer verborgen bleiben. Damals prognostizierte Christian Ruß in einer Rezension auf spiegel.de, dass AfD-Abgeordnete, die durch den Einzug in Landesparlamente auch in den Rundfunkräten sitzen, »ihren Einfluss nutzen« könnten, »um gegen solche Politkrimis zu trommeln«. Seit dem »Polizeiruf 110« vom 11. November wissen wir: Die Rechtsaußenpartei muss nicht einmal in den verantwortlichen Gremien für Stress sorgen, es reicht schon allein die Drohung, um erfolgreich in die Kunstfreiheit einzugreifen. Seit Wochenbeginn ist die Folge »Für Janina« in der ARD-Mediathek nur noch in einer bearbeiteten Fassung zu sehen. Wo bisher im Büro von Katrin König ein Fuck-AfD-Aufkleber (»FCK AFD«) zu sehen war, um die politische Verortung der Ermittlerin bildlich greifbar zu machen, ist durch eine digitale Nachbearbeitung jetzt nur noch eine graue Magnetwand zu sehen. Der Skandal ist: Weder ein Gericht noch ein Rundfunkrat zwang die ARD dazu, die Änderung vorzunehmen. Dafür reichte eine digitale Protestwelle, angefeuert von AfD und anderen rechten Gruppierungen. »Das ist vorauseilender Gehorsam des Senders«, kritisiert der Medienrechtler Christian Schertz gegenüber deutschlandfunkkultur.de. »Es gibt keine rechtliche Pflicht, bei einer fiktionalen Erzählung wie bei einem Spielfilm solch einen Aufkleber rauszunehmen.«

Schertz' Meinung nach stelle die Reaktion einen erheblichen Eingriff in die Kunst-, Presse- und Rundfunkfreiheit dar. Die Retusche sei auch nicht mit dem Argument zu rechtfertigen, dass der Aufkleber eine reale Partei in einer fiktionalen Erzählung gezeigt habe. »Man kann ja heute nur einen politischen Krimi machen, indem man auf die Realität Bezug nimmt. Fiktonale Parteien gibt es eben nicht«, so Schertz. Auch Jürn Kruse findet auf taz.de: »Diese Strategie des Einknickens vor ein paar Social-Media-UserInnen kann nicht aufgehen. Kinder merken es sich, wenn sie mit Quengeln, Jaulen und Jammern durchkommen. Und der nächste Grund zur rechten Erregung kommt bestimmt.« Und so bleibe es nur eine Frage der Zeit, bis die AfD erneut einen Anlass findet, sich zu empören. Auch »Polizeiruf«-Regisseur Eoin Moore verteidigt die Darstellung der LKA-Beamtin Katrin König. »Ihre Büroeinrichtung mit Pinnwand und Notebook gibt es von Anfang an. Die Gesinnung von Frau König ist seit der ersten Folge an ihren Charakter gebunden«, so Moore. »Wie bei jedem anderen Menschen auch bildet ihr Arbeitsumfeld ihre Haltung ab.«

Apropos Haltung: taz-Journalist Kruse weist darauf hin, dass Königs Kollege Alexander Bukow eher nach dem Geschmack der AfD sein dürfte. Der zeige in der Serie »Verständnis für rechte Wähler«. Und dass das so eine Sache ist mit Fiktionalität und Realität, zeigt sich spätestens dann, wenn der Zuschauer weiß, dass der Schauspieler Charly Hübner, der hinter Bukow steckt, im echten Leben Dokus über die linke Punkband »Feine Sahne Fischfilet« dreht und mit Sicherheit kein AfD-Versteher ist.

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