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Betonierte Landschaft oder Grünfläche?

In Freiburg bestimmen die Bürger, ob es einen neuen Stadtteil gibt

  • Von Dirk Farke, Freiburg
  • Lesedauer: 3 Min.

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Freiburg im Breisgau ist Universitätsstadt, bietet viel Kultur und ist klimatisch begünstigt. Seit vielen Jahrzehnten gehört auch hier Wohnungsmangel mit überteuerten Mieten zum Alltag. Zu den mittlerweile 230 000 Einwohnern kommen jährlich etwa 2000 hinzu. Auch für ansässige Firmen ist das ein Problem.

Nicht selten scheitern Neueinstellungen an fehlendem Wohnraum in der Region. Ein durchschnittlich verdienender Angestellter, ein Lehrer oder eine Krankenschwester können sich Kaltmieten zwischen 1500 und 2000 Euro für eine Zweizimmerwohnung mit 75 Quadratmetern Größe schon lange nicht mehr leisten.

Freiburgs neuer Oberbürgermeister Martin Horn (33), seit Juli im Amt, erklärte die Bekämpfung der Wohnungsnot folgerichtig zur Chefsache. Profitieren konnte er unter anderem von dem unter seinem Vorgänger bereits beschlossenen und seit sechs Jahren in der Planung befindlichen neuen Stadtteil Dietenbach, in das die Verwaltung bereits knapp fünf Millionen Euro investiert hat. Konnte, denn dieses Megaprojekt steht seit Beginn des Monats zur Disposition. Im Rahmen eines Bürgerbegehrens sammelte ein Bündnis Unterschriften für einen Bürgerentscheid, um das Projekt zu stoppen. Erfolgreich, statt der benötigten 11 812 Unterschriften - laut baden-württembergischer Gemeindeordnung muss ein Bürgerbegehren von mindestens sieben Prozent der Wahlberechtigten unterstützt werden - überreichten die Initiatoren der Rathausspitze mehr als 12 500 gültige Unterschriften. Wie die Stadt in einer Pressemitteilung bekannt gab, soll der Gemeinderat in seiner Sitzung am 27. November den Termin für den Bürgerentscheid festlegen.

Für die Bürgerinitiative »Rettet Dietenbach«, zu der auch der im Frühjahr als unabhängiger grüner OB-Kandidat gescheiterte Manfred Kröber als erster Ansprechpartner zählt, ist es unverantwortlich, wertvolle Grün-, Wald- und Landwirtschaftsflächen in einem Ausmaß von 240 Fußballplätzen für einen hochproblematischen Neubaustadtteil zu opfern. Ulrich Glaubitz, ein weiterer von drei Vertrauensleuten des Bündnisses erläutert der Zeitung »Der Sonntag in Freiburg«: »Es ist ein Widerspruch, Freiburg als Umwelthauptstadt zu sehen, sich nachhaltig zu ernähren und gleichzeitig zuzulassen, dass eine riesengroße Landwirtschaftsfläche für immer zugebaut wird.« Anstatt die gesamte Landschaft zu betonieren, plädiert das Bündnis für den Ausbau von Dachgeschossen, den Bau von Wohnungen über Supermärkten, die Bebauung von Parkplätzen und den Tausch von Wohnraum. Nach Angaben des Bündnisses könnten so bis zu 11 000 neue Wohnungen entstehen.

Und wie bewerten die Freiburger diese Argumente? Hörte man sich in den letzten Wochen an den Infostellen des Bündnisses um, so wurde vor allem die Enteignung der vielen betroffenen Landwirte kritisiert. »Wir versiegeln hier seit Langem alles mit Beton, aber unsere Mieten werden trotzdem nicht billiger«, deklamiert ein älterer Herr vor einem großen Supermarkt und unterschreibt das Begehren umgehend. Auch dass eine so wichtige Frage wie der Bau eines riesigen Stadtteils mit 15 000 Einwohnern nicht allein den 48 Gemeinderäten überlassen werden dürfe, ist immer wieder zu vernehmen.

Bei der Abstimmung im Freiburger Gemeinderat im Juli stimmten alle Fraktionen, einschließlich der Fraktionsgemeinschaft der Unabhängigen (linken) Listen, für den Bau des neuen Stadtteils. Nur die vier Mitglieder der Fraktion Freiburg Lebenswert/ Für Freiburg votierten dagegen.

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