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Affen in der Dschungelschule

Die Population der Orang-Utans wird immer weiter dezimiert. Von Michael Lenz

Von Michael Lenz

Fröhlich schaukelt Onki im Geäst eines Baums im Dschungel von Sumatra - und plumpst herunter. Der junge Orang-Utan schaut verdutzt, rappelt sich auf und klettert zurück auf seinen Baum. »Sie stürzen ab, weil sie in Gefangenschaft nicht lernen konnten einzuschätzen, ob ein Ast stark genug ist, ihr Gewicht zu tragen«, erklärt Peter Pratje, Leiter der Orang-Utan-Auswilderungsstation der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt im Bukit-Tigapuluh-Nationalpark im östlichen Sumatra. In der »Dschungelschule« werden aus der Gefangenschaft befreite Orang-Utans auf ein eigenständiges Leben in der Wildnis vorbereitet.

Die zunehmende Zerstörung des Lebensraums der Menschenaffen durch Rodungen, die Jagd und der Fang von Jungtieren zum Verkauf als putzige Haustiere sind die großen Bedrohungen für Borneo-Orang-Utans, Sumatra-Orang-Utans und die erst kürzlich entdeckte dritte Art, die Tapanuli-Orang-Utans. Verschärft wird die Situation durch die sehr langsame Reproduktion der auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) als »vom Aussterben bedroht« eingestuften Tiere.

So kam zunächst Freude auf, als die indonesische Regierung verkündete, in den verbliebenen Wäldern Sumatras und Borneos habe die Population der Orang-Utans um zehn Prozent zugenommen. Doch eine jetzt im Fachblatt »Current Biology« veröffentlichte Studie dämpft die Freude gründlich. Denn tatsächlich, so die Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und des Max-Planck-Instituts für Evolutionäre Anthropologie, ist der Bestand an Orang-Utans in den vergangenen zehn Jahren um 25 Prozent auf rund 100 000 Tiere zurückgegangen.

Die Diskrepanz erklären die Autoren der Studie mit den Methoden der indonesischen Untersuchung. Die hätte sich lediglich stichprobenartig auf neun Populationen in geschützten Regionen konzentriert, bemängeln die Forscher. Die machten aber weniger als fünf Prozent des Verbreitungsgebiets der Borneo- und Sumatra-Orang-Utans und null Prozent des Habitats der Tapanuli-Orang-Utans aus.

Maria Voigt, die Hauptautorin der Studie, fordert zudem eine verbesserte Zusammenarbeit und den Datenaustausch zwischen Wissenschaftlern und Behörden: »Die Regierung ist offenbar nicht ausreichend über die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse informiert.« Aber es tut sich auch was. Das neue Moratorium von Präsident Joko Widodo für Ölpalmenlizenzen und der Aktionsplan 2018-2027 zum Schutz der Orang-Utans lassen Hoffnung aufkommen.

Für Pratje, der seit 2003 mehr als 180 Orang-Utans ausgewildert hat, ist dies »neben dem Aufbau einer überlebensfähigen Orang-Utan-Population als Rückversicherung für die Wildpopulation ein wichtiger Beitrag, um öffentliche Aufmerksamkeit auf den gefährdeten Lebensraum der Menschenaffen zu lenken«. Pratje betont: »Orang-Utans sind die Botschafter des Regenwaldschutzes.«

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