Das Prinzip Hoffnung

Am Sonntag ist Totensonntag - das Ende des Kirchenjahres. Nicht nur Christen gedenken an diesem Tag der Toten. Dass der Tod nicht das Ende ist, hoffen allerdings nur die Gläubigen. Doch was wäre der Mensch ohne Hoffnung. Wir können zum Beispiel hoffen, dass der Klimawandel nicht so schlimm wird, wie die Wissenschaftler ihn erwarten. Wissen können wir das nicht.

Auf das Prinzip Hoffnung setzen auch jene, die einen Diesel-Pkw fahren. Sie hoffen darauf, dass das nächste Diesel-Fahrverbot auf den Straßen hierzulande an ihnen vorbeiziehen wird - und damit das Ende des mit fossilen Brennstoffen betriebenen Automobils hinausgezögert wird. Je näher die Gefahr kommt, desto mehr schlägt solcherart Hoffen in Verzweiflung um, und wenn der Mensch von Verzweiflung getrieben ist, sucht er händeringend nach Schuldigen für seine Pein. »Spiegel Online« hatte dieser Tage den wahren Schuldigen für die Fahrverbote in den Städten ausgemacht. Schuld sind, wie sich Autofahrer leicht denken können, nicht die Automobilkonzerne, die bei den Grenzwerten betrogen haben, sondern die Deutsche Umwelthilfe, die auf Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge klagt und damit, so SPON, »die halbe Republik in Aufruhr« versetzt. Und nachdem der »Stern« herausgefunden haben will, dass eine brennende Kerze mehr Stickstoffoxide in die Luft entlässt als ein alter VW-Diesel, wird sich vermutlich in der demnächst beginnenden Weihnachtszeit jemand finden, der ein Verbot von Adventskränzen fordert.

Seien wir also widerständig und entzünden am Sonntag eine Kerze der Hoffnung. jam Foto: Unsplash/Jarl Schmidt