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Champions League ist wie »Vapiano«

Warum Christoph Ruf ein Minimum an Anteilnahme fehlt und wie er die Mängelliste der Bundesliga sieht

  • Von Christoph Ruf
  • Lesedauer: 4 Min.

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Bundesliga: Champions League ist wie »Vapiano«

Ich schaue nicht oft Champions-League-Spiele. Die entsprechenden Decoder fehlen, noch mehr aber ein Minimum an Anteilnahme, ohne die Fußball einfach keinen Spaß macht. Ob Barcelona oder Madrid gewinnt, ob Manchester United oder City, ist mir vollkommen wurst. Champions League ist für mich das, was »Vapiano« im Vergleich zum Sizilianer um die Ecke ist: auf Erfolg und Massentauglichkeit getrimmter Einheitsfraß.

Hin und wieder, so zwei, drei Mal im Jahr, schaue ich allerdings doch mal vorbei in der Champions League. Ohne Decoder, im Stadion, der Berufsausübung halber. Emotionale Teilnahmslosigkeit ist für die Berichterstattung keine schlechte Voraussetzung, es schreibt sich so recht objektiv. Und siehe da, die Art und Weise, wie Olympique Lyon Manchester City vorführte, die fand ich dann doch beeindruckend. Streckenweise wirkten die City-Profis, die mehrere Millionen Euro im Monat verdienen, wie F-Jugendliche, die ein Testspiel gegen die einen Kopf größeren E-Jugendlichen aus dem eigenen Klub bestreiten müssen. Panisch schlugen sie den Ball weg, foulten alle zwei Minuten, weil ihnen wieder ein Franzose wegzurennen drohte, und konnten heilfroh sein, dass sich Lyon vorm Tor anstellte, nämlich wie der Bär beim Scheißen.

Christoph Ruf, Fußballfan und -experte, schreibt immer montags über Ballsport und Business.
Christoph Ruf, Fußballfan und -experte, schreibt immer montags über Ballsport und Business.

Doch von Strafraum zu Strafraum: Exquisiteste Ballbehandlung, feinste Technik, extremes Tempo. Olympique Lyon ist Dritter der französischen Liga, abgeschlagen hinter Paris St. Germain. Doch wer die Bundesliga gewohnt ist, konnte das, was so ein Tabellendritter aus dem Nachbarland da zeigte, eigentlich nur für eine andere Sportart halten als die, die in der Bundesliga aufgeführt wird. Eine ansehnlichere, eine attraktivere Liga.

Hierzulande ist Dortmund gerade das Maß aller Dinge: ein Tabellenerster, den der Trainer seine Stärken ausspielen lässt. Dortmund spielen zu sehen, macht Spaß. Doch dahinter fängt die Mängelliste an, die man auch Tabelle nennt. Die Diskussion, die man über die Bayern führen muss, macht sich nicht primär am Spielstil fest, auch nicht die an der individuellen Qualität, und wahrscheinlich berappelt sich die Kovac-Truppe auch wieder irgendwann dauerhaft. Trotzdem haben sie in dieser Saison nur ein einziges Spiel gezeigt, das nicht nur souverän war, sondern auch durchgehend das Tempo und den Spielwitz hatte, den man bei Olympique Lyon sah.

Weiter im Klassement: Wer in Hoffenheim eine Eintrittskarte löst, weiß, dass er dafür gute Unterhaltung bekommt, technisch gute Spieler, ordentliches Tempo und einen Überzeugungstäter als Trainer. Hoffenheim spielt offensiv und will jedes Spiel gewinnen. Weil die Mannschaft aber keine gute Balance zwischen Offensive und Defensive hat, klappt das für eine Spitzenmannschaft zu selten. Die Tabelle der Champions-League-Gruppe F lügt da nicht. Und in der ist Hoffenheim Letzter hinter Schachtjor Donezk.

Auch Eintracht Frankfurt macht Spaß, zeigt aber gleichzeitig das Problem der Liga auf. In der Bundesliga kann man mit Mut und Leidenschaft noch echt etwas reißen. Mönchengladbach spielt austarierter, profitiert aber stark vom Schwächeln der Konkurrenz. Mit Platz zwei scheint mir das Team aber auch eher überbewertet. In England wären wohl weder die Eintracht noch Gladbach im ersten Tabellendrittel. Wobei man hier eine Frage nachschieben muss: Na und? Die Southampton-Fans, die mir am Wochenende über den Weg liefen, versicherten, dass die Atmosphäre während des Stimmungsboykotts in Deutschland ziemlich genau der im englischen Ligaalltag entspricht.

Und während in den meisten Standorten der Ligen eins bis drei die Stadien eine Halbzeit lang still wie ein Grab darniederlagen - wie konsequent der Protest gegen Kommerz und Montagsspiele befolgt wurde, dürfte bei DFB und DFL angekommen sein - haben sich in Liga drei die Vereine subversiv verhalten. Ziviler Ungehorsam gegen den eigenen Verband, wann gab es das schon mal? Unter dem Motto »Stillstehen gegen den Stillstand« bewegten sich die Spieler innerhalb einer Minute nach dem Anpfiff keinen Zentimeter und legten erst nach 60 Sekunden los. Die Drittligisten wollen zurück zur Regelung mit drei statt vier Absteigern, der DFB will aus fünf Regionalligen vier mit vier Direktaufsteigern machen, ist in den letzten Monaten aber kein Stück weitergekommen. Weil den Landesverbänden die eigenen Pfründe wichtiger sind als eine Kompromisslösung im Sinne aller. Sagen die Drittligisten. Und wenn die es sagen, sage ich es auch.

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