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Keine Zeit für schöne Spiele

Warum der 2:1-Arbeitssieg des FC Bayern in Bremen für Niko Kovac und den Klub gut ist

  • Von Frank Hellmann
  • Lesedauer: 3 Min.

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Auf dem Bremer Rasen war es eher Krampf und Kampf für die Bayern. Nach der Partie konnte Thomas Müller aber endlich wieder scherzen.
Auf dem Bremer Rasen war es eher Krampf und Kampf für die Bayern. Nach der Partie konnte Thomas Müller aber endlich wieder scherzen.

Bremen. Es sind Bilder wie diese, die der FC Bayern für seine Daseinsberechtigung braucht: Der breitschultrige Niklas Süle nahm den eher schmalbrüstigen Joshua Kimmich in den Arm; Thomas Müller schwang in der Thermojacke vor der mitgereisten Münchner Anhängerschaft die Hände zum Himmel und daneben jubelte Kapitän Manuel Neuer im hellblauen Unterziehhemdchen.

Siege in Bremen sind zwar seit mehr als einem Jahrzehnt zur Münchner Gewohnheit geworden, aber dieser 2:1-Erfolg taugte fraglos zu echten Glücksgefühlen, war er doch Balsam für die geschundene Seele eines im Umbruch befindlichen Vereins, deren Bosse Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß einen Tag nach einer Aufsehen erregenden Mitgliederversammlung auf weitere Kommentare verzichteten.

Trainer Niko Kovac ballte am Ende die Fäuste. Sein trotziger Tonfall verriet zudem, unter welcher Bringschuld der Kroate gestanden hatte. »Das war ein außergewöhnlich gutes Spiel. Wir haben technisch und taktisch dominiert«, betonte der Bayern-Trainer, der sich wieder ein glattrasiertes Antlitz zugelegt hat. Der verwegene Eindruck mit wild sprießenden Bartstoppeln würde auch nicht passen, denn seine Mannschaft wirkt nach dem vogelwilden 3:3 gegen Düsseldorf wieder akkurat geordnet: mit einer Doppelsechs mit Joshua Kimmich und Leon Goretzka und einem sicher agierenden Rechtsverteidiger Rafinha.

»So hat es mir gefallen: defensiv alle zusammen, gemeinsam gegen den Ball, gute Umschaltsituationen«, lobte der 47-Jährige, der sich über einen doppelten Stabilitätspakt freuen durfte. Rückendeckung von präsidialer Seite auf der Mitgliederversammlung gut und schön, aber wenn tags darauf seine Spieler die Gefolgschaft verweigert hätte, wären die Debatten erneut losgegangen. Nun konnte Kovac verraten, dass er am Freitagabend nicht per Liveticker die Versammlung verfolgt hatte: »Ich habe lieber entspannt ein bisschen Golf geschaut.« Am Sonntag beim in der Vorweihnachtszeit üblichen Besuch der Fanklubs wurde Kovac in Inzell sogar mit stehenden Ovationen empfangen.

Mitunter kommt das Glück auch unverhofft. Den kurzfristigen Ausfall der heiligen, aber alternden Flügelflitzer Arjen Robben und Franck Ribery kompensierte der zuvor für seine vorhersehbaren Aufstellungen kritisierte Trainer, indem er den gar nicht für die Anfangsformation vorgesehenen Serge Gnabry aufstellte und Kingsley Coman für den nach einem Schlag auf den Oberschenkel humpelnden Ribery einwechselte. »Das gibt uns nach vorne eine neue Dimension.« Vor allem besitzt die jüngere Flügelzange mehr Draufgängertum, was sich in Gnabrys Doppelpack (20. und 50.) ausdrückte. Dass der Matchwinner bei seiner Auswechslung unter gellenden Pfiffen vom Sprinter zum Spaziergänger mutierte, animierte Werders Trainer Florian Kohfeldt zur spitzen Bemerkung: »So wie Bayern München ab der 55. Minute auf Zeit gespielt hat, waren die nicht sicher, dass sie hier gewinnen.«

Thomas Müller verteidigte die Aktion. »In unserer augenblicklichen Situation gehört es dazu, auch mal auf schönes Spiel zu verzichten«, erklärte er. »Befreiungsschläge bis zur Eckfahne« seien zwar nicht sein bevorzugtes Stilmittel, aber es bringe nach dem Sieg gegen Benfica Lissabon (5:1) ja nichts, »wenn wir nur ein Ausrufezeichen setzen«. Der 29-Jährige bestätigte, dass es intern intensive Unterredungen gegeben habe, deren Inhalt selbstverständlich geheim bleibe, »sonst könnten wir ja eine Pressekonferenz dazu einberufen oder eine Talkshow veranstalten«.

Dass das bayerische Unikum überhaupt wieder Witzchen macht, belegt eine gewisse Beruhigung des Betriebsklimas. Nur der grantig in die Kabine hastende Kapitän Manuel Neuer ließ sogar die Macher vom Klubfernsehen wie Schulbuben stehen. Der längst nicht mehr beste Torwart der Welt leistete sich gemeinsam mit dem sich wegduckenden Innenverteidiger Jerome Boateng den einzigen slapstickartigen Aussetzer, den Yuya Osako zum zwischenzeitlich Ausgleich (33.) nutzte. Zu viel mehr Widerstand waren die zu verzagten Bremer aber nicht in der Lage.

Kovac gab derweil als nächstes Ziel aus, »alle Spiele bis zur Winterpause zu gewinnen. Dafür müssen wir fleißig arbeiten, dann können wir bis Weihnachten hamstern.«

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