In die Zuschauerfresse

Nietzscheanisches Kino: Mit seinem Film »Climax« stellt sich Gaspar Noé in die Tradition des europäischen Skandalfilms

  • Von Benjamin Moldenhauer
  • Lesedauer: ca. 5.0 Min.

Gründe, diesen Film präventiv nicht zu mögen, gibt es genug. Seit seinem ersten Langfilm »Menschenfeind« setzt Gaspar Noé auf Zuschauerattacke. An sich ist das keine Schande, allerdings taten der zwanghaft provokative Gestus und die spürbare Beflissenheit, die es brauchte, um sich nach der Jahrtausendwende noch als maximal krasser, schockierender Filmkünstler zu gerieren, den Bildern nicht immer gut. Tiefsinnig anmutende Texteinblendungen wie zum Beispiel »Time destroys everything« am Ende seines Films »Irreversibel« konnten nicht kaschieren, dass hier jemand erst einmal austeilte: Gewalt, Drogen, sexualisierte Gewalt, Inzest, wieder Gewalt, ununterbrochen. Die Idee: Immer in die Zuschauerfresse.

In »Menschenfeind« und »Irreversibel« hat Gaspar Noé versucht, mit visuellen und auditiven Mitteln die kategorische Grenze zu touchieren, die eine ästhetische Erfahrung von der Körperverletzung trennt. Das war effektiv - und, jetzt mal sp...


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