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Volksbank mit Riecher für lukrative Deals

Ein Thüringer Geldhaus ist im Fußballgeschäft aktiv. Deshalb hat es jetzt einen Ex-Nationalspieler engagiert.

  • Von Sebastian Haak
  • Lesedauer: 3 Min.

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Im Schmalkaldener Bankhaus sind Stefan Effenbergs Kontakte zum Deutschen Fußball-Bund gefragt.
Im Schmalkaldener Bankhaus sind Stefan Effenbergs Kontakte zum Deutschen Fußball-Bund gefragt.

Es klingt wie ein kleiner Coup - und ist gleichzeitig das Ende der Spekulationen, die es in den vergangenen Monaten in der deutschen Finanzbranche dazu gab, wer wohl demnächst für die Volks- und Raiffeisenbank (VR-Bank) Bad Salzungen und Schmalkalden arbeiten würde. Sogar der Name eines ehemaligen Ministers eines großen deutschen Bundeslandes war in diesem Zusammenhang auf den Fluren von wirklich großen deutschen Banken geraunt worden. Doch der Genannte dementierte energisch und drohte sogar mit rechtlichen Schritte gegen alle jene, die behaupteten, er wolle für dieses Geldhaus arbeiten.

Seit einigen Tagen ist klar: der Neue bei besagter VR Bank ist kein Politiker, sondern der Ex-Profifußballer Stefan Effenberg. Wer ihn nicht wirklich kennt, weil er sich nicht für die wichtigste Nebensache der Welt interessiert, wird sich doch immerhin daran erinnern, dass dieser Effenberg vor Jahren einmal wegen seines ausgestreckten Mittelfingers für viel Aufmerksamkeit sorgte. 1994 zeigte hatte er deutschen Fußballfans mit dieser Geste gezeigt, was er von ihnen hielt, als die ihn und die deutsche Nationalmannschaft auspfiffen, nachdem diese im Weltmeisterschafts-Vorrundenspiel gegen Südkorea eine schwache Leistung gezeigt hatte.

Effenberg flog dafür aus dem deutschen WM-Kader, was seiner weiteren Karriere allerdings kaum schadete. Mit ihm gewannen die Bayern unter anderem drei deutsche Meisterschaften sowie die Champions League 2001.

Dass der 50-Jährige nun im »Firmenkundengeschäft« einer VR-Bank mit Sitz in einer ländlich geprägten Region Thüringens tätig ist, die eigentlich vor allem mit den dort ansässigen Privatkunden ihr Geschäft machen sollte, verwundert. Diese Ausrichtung läge jedenfalls in der traditionellen Logik der VR-Banken, die jener der deutschen Sparkassen ähnelt.

Doch bei der VR Bank Bad Salzungen und Schmalkalden gehen die Verantwortlichen schon seit langem andere Wege. Sie ist im internationalen Fußballgeschäft tätig und investiert zudem kräftig in Immobilien sowie in Photovoltaik- und Windkraftanlagen. Im Mitgliederbrief der Bank aus dem Sommer 2018 steht nicht zufällig, die Bank finanziere im nationalen Fußballgeschäft Vereine in der ersten und zweiten Bundesliga und finanziere zum Beispiel Klubs in der Champions League.

Der für das »Individualkundengeschäft« zuständige Abteilungsleiter wird in dem Brief mit den Worten zitiert, die Bank profitiere gerade im Fußballgeschäft »auch von Empfehlungen innerhalb der Fußballfamilie«. Außerdem brauche der Profisport für seine Aktivitäten eine Bank, »der die Besonderheiten der Nische ›Fußball‹ bekannt sind und diese beurteilen kann«.

Womit klar wäre, dass die VR Bank Bad Salzungen und Schmalkalden Effenberg wegen seiner Kontakte in die Fußballwelt und seine unbestrittene Kenntnis der Szene engagiert und ihn zu einem Fortbildungskurs geschickt hat. Der Ex-Profi sagte dem Nachrichtenportal »t-online.de« am Dienstag, bei seiner Tätigkeit gehe es unter anderem um die Finanzierung von Spielertransfers und einem Stadionumbau. Dabei wolle er mit seiner Erfahrung und seinen Verbindungen helfen.

Auch Ex-Größen der Politik werden von Banken und Unternehmen in ersten Linien wegen ihrer Kontakte und nicht wegen ihrer Fachkompetenz angeheuert. Und so überrascht es nicht, dass für die Schmalkalder VR-Bank auch Thüringens einstiger Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) arbeitet: Er sitzt im Aufsichtsrat.

Die Kehrseite dieser Umtriebe: Mitte dieses Jahre wurden ihre Räumlichkeiten von Polizei und Staatsanwaltschaft durchsucht - wegen des Verdachts auf Untreue im Zusammenhang mit Immobiliengeschäften. Das Verfahren bei der auf Wirtschaftskriminalität spezialisierten Staatsanwaltschaft Mühlhausen läuft noch. Betroffen von der Razzia waren nach damaligen Angaben neben Räumlichkeiten in Thüringen auch weitere Gebäude in Erlangen und München.

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