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Ring-a-ring-a-fucking-ding

Zum Tod des großen Popsongschreibers, Sängers, Punkrock- und New-Wave-Pioniers Pete Shelley.

  • Von Thomas Blum
  • Lesedauer: 3 Min.

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Pete Shelley
Pete Shelley

Viele wollen heute dabei gewesen sein, doch tatsächlich hatte sich damals nur eine Handvoll Zuschauer eingefunden. Um die 40 Leute sollen es gewesen sein, die anwesend waren beim ersten Auftritt der seinerzeit sehr unbekannten, sich recht nihilistisch gebärdenden Performancegruppe The Sex Pistols in Manchester, der am 4. Juni 1976 in der Lesser Free Trade Hall stattfand. Den sogenannten Punkrock gab es offiziell noch nicht, zumindest nicht als popkulturelles Phänomen, das über die überschaubaren Kreise einer kleinen Boheme-Szene hinausreichte. Organisiert hatten den Auftritt der Sex Pistols zwei Jünglinge, der 24-jährige Howard Devoto und der 21-jährige Pete Shelley. Beide hatten einige Wochen zuvor ihre eigene Band gegründet, die Buzzcocks, deren frühe Schallplatten, erschienen zwischen 1977 und 1979, heute wohl in jeder Liste zu finden sind, in der die einflussreichsten Alben der Popgeschichte aufgezählt werden. Das allererste Album produzierte man 1976 mit geliehenem Geld in Eigenregie und gründete auch ein eigenes Plattenlabel dafür. Das gab es vorher nicht.

Shelley war ein überaus talentierter Songschreiber: Den schrabbelig-rotzigen, rohen, von Bands wie den US-amerikanischen Ramones beeinflussten Sound des frühen Punkrock versöhnte er mit eingängigen Mitsingmelodien und schuf so einige unvergessene Punkpophymnen der späten 70er Jahre, in denen die Nöte der Liebe unter Teenagern und die Seelenqualen der Adoleszenz verhandelt werden. Bis heute am bekanntesten ist der von Shelley geschriebene Song »Ever Fallen in Love (With Someone You Shouldn›t ‹ve)«.

In ihrem denkwürdigen Lied »Boredom«, das wie der Titel verrät, eines der zentralen Probleme junger Menschen, die Langeweile, zum Thema hat, heißt es: »Now I›m living in a movie/ Which doesn‹t move me/ I›m the one waiting for the phone to ring/ Ring-a-ring-a-fucking-ding/ You know me – I‹m acting dumb/ You know the scene – very humdrum/ Boredom, boredom, boredom.«

1981 startete Shelley eine durchwachsene Solokarriere. Als einer der Ersten zeigte er keinerlei Berührungsängste mit Drum Machines, Synthesizern und dem Plastik-ist-Leben-Gefühl der frühen New-Wave-Generation. Sein erstes Soloalbum »Homosapien« (1981), dem bei Erscheinen wenig Erfolg beschieden war, gilt heute als eines der prägenden Frühwerke des britischen Elektropop.

1987 lösten sich die nicht mehr aktiven Buzzcocks offiziell auf, um sich schließlich 1993 wieder zu gründen. Fortan produzierte die Band weiter Platten im alten Punkrock-Stil und ging erneut fortwährend auf Tournee; allerdings konnte die ganze Unternehmung den nostalgischen Anstrich, den sie hatte, nicht völlig leugnen: Als 40-, 50- oder 60-Jähriger einem geneigten und mitgealterten Punk-Publikum auf Konzerten die alten Songs über Nöte von Heranwachsenden vorzusingen, war gewiss nicht das Coolste, das ein Künstler machen kann. Aber es sicherte den Lebensunterhalt.

Pete Shelley, der offen bisexuell war, ist am Donnerstag im Alter von 63 Jahren in Estland, wo er seit 2009 mit seiner Ehefrau lebte, an einem Herzinfarkt verstorben.

Im spärlich erschienenen Publikum des anfangs genannten legendären Sex-Pistols-Konzerts in Manchester waren neben Shelley und Devoto übrigens noch andere, die später, jeder auf seine Art, in die Geschichte der Popmusik eingehen sollten: Ian Curtis, Bernard Sumner und Peter Hook, die kurz darauf die wunderbare Depressionspopband Joy Division gründeten; Morrissey, der später mit den Smiths und als größenwahnsinniger Solokünstler weltbekannt wurde; Mark E. Smith, Gründer und 40 Jahre lang berüchtigter Anführer der Postpunk-Institution The Fall; und, nicht zu vergessen, Mick Hucknall, der Jahre später für die schreckliche Band Simply Red verantwortlich zeichnete. Die Band Joy Divison hatte einen ihrer ersten Auftritte übrigens als Vorband der Buzzcocks.

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