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  • Sport
  • Chancengleichheit in der Bundesliga

Wenn der Elefant auf den Baum klettert

Christoph Ruf freut sich über ein seltenes Ereignis im Fußball, weiß aber, dass das Imperium zurückschlagen wird

  • Von Christoph Ruf
  • Lesedauer: 4 Min.

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Es gibt einen lustigen Cartoon, auf dem allerlei Tiere zu sehen sind. Ein Affe, ein Nilpferd, ein Hund und ein Elefant stehen unter einem Baum. Vor ihnen hat jemand eine gestrichelte Linie gezeichnet, hinter der wiederum ein Schiedsrichter Aufstellung genommen hat. Und der gibt mit wichtigem Blick die Spielregeln vor, an die sich alle zu halten haben: »Im Sinne eines fairen Wettbewerbs habt ihr alle die gleiche Aufgabe zu erfüllen: Bitte klettert alle auf diesen Baum.«

Am Sonnabend trug sich in der Bundesliga etwas Merkwürdiges zu. Denn einer, der ganz gut klettern kann, war nicht als Erster oben. RasenBallsport Leipzig hat gegen einen Hund, einen Underdog sogar, verloren - 0:3 in Freiburg. Nicht, weil drei Leipziger Rote Karten gesehen hätten, nicht weil der Schiedsrichter ein verkleidetes SC-Mitglied gewesen wäre. Sondern einfach, weil Freiburg die in jederlei Hinsicht bessere Mannschaft war, und die Roten Bullen ab der 10. Minute so energisch spielten wie eine Tasse Blasentee. Der Affe lag sediert unterm Baum. Es war ein Ereignis, das im Bundesliga-Zirkus kaum mehr vorkommen kann: Der FC Bayern und Dortmund haben ein in etwa 15 Mal höheren Budget als die Teams am Etat-Tabellenende, schon die finanzielle Spreizung zwischen Platz sechs und 13 ist enorm. Dementsprechend fielen auch die anderen Ergebnisse des Spieltages aus: Niederlagen für die Geldzwerge aus Nürnberg, Düsseldorf und Augsburg, die gegen die Bayern, Bremen und Leverkusen verloren.

Nun kann man lange darüber streiten, ob es im hochkapitalisierten Fußballbusiness überhaupt so etwas wie Chancen-Ähnlichkeit geben kann. In Zeiten, in denen sich der eine Staat (Abu Dhabi) Manchester City, der andere (Katar) Paris St. Germain gönnt und auch hierzulande viele Vereine mit privaten und staatlichen Despoten zusammenarbeiten, die sich das Whitewashing dementsprechend viel kosten lassen, ist das natürlich eine Fiktion.

Wer diesen Gedanken zu Ende denkt, landet dann wohl automatisch als Zuschauer beim echten Amateurfußball, den man allerdings auch nicht ungestraft glorifizieren sollte. Ein Kreisliga-C-Kicker ist schließlich zuallererst mal nicht der bessere Mensch als ein Nationalspieler. Sondern nur der schlechtere Fußballer. Denn einer der mutmaßlich vielen tausend Thomas Müller in deutschen Kreisligen würde genau wie der einzig wahre Bajuwaren-Thomas jeden Euro sofort einstecken, den der FC Bayern zahlt. Auch wenn er aus Katar kommt.

Die Frage, warum Eltern, die schon das Pech haben, »Müller« zu heißen, ihr Kind statt »Thomas« nicht gleich »Kind« oder »Nummer vier« nennen, wird ihnen allerdings auch kein Scheich der Welt beantworten können.

Wer das alles zu Ende denkt, kann dem Fußball eigentlich nur komplett den Rücken zukehren. Last exit: Kreisliga A. Oder man spielt einfach mal wieder selbst. Gar keine schlechte Idee eigentlich.

Auch der SC Freiburg darf im Übrigen nicht als der strahlende weiße Ritter in dieser Kolumne davonreiten. Seine zweite Mannschaft, die U23, spielt in der vierklassigen Regionalliga Südwest. Das sei ihr gegönnt, für einen Ausbildungsverein ist es nicht schlecht, wenn sich junge Spieler relativ hochklassig an den rauen Herrenbereich herantasten können. Die Schamlosigkeit, mit der in dieser Spielzeit allerdings gestandene Erstligaspieler wie Tim Kleindienst, Mike Frantz, Florian Niederlechner, Bernd Kammerbauer oder Yoric Ravet (der mal 2,5 Millionen Euro gekostet hat) gegen Teams aus Ulm oder Stadtallendorf eingesetzt werden, ist schon frappierend. Legal ist diese Form der Wettbewerbsverzerrung leider, moralisch aber nicht. Wenn der Deutsche Fußball-Bund gerade schon so fleißig dabei ist, eine Reform der Ligen drei und vier zu diskutieren, sollte er schleunigst auch die Zweitmannschaften der Profis in eine eigene Spielklasse stecken.

Zurück zu den Profis: 35 Millionen Euro will RB Leipzig im Winter angeblich in neue Transfers anlegen. Das wäre mehr als der Gesamtetat der Aufsteiger aus Düsseldorf und Nürnberg. Und fast so viel wie der von Freiburg, gegen das Red Bull am Sonnabend so deutlich verloren hat. Wenn das Imperium angegriffen wird, schlägt das Imperium zurück. Die Herrschaft des Geldes hat im Sport einen eher befremdlichen Namen. Sie nennen es tatsächlich Wettbewerb. Und wenn es tatsächlich mal der Elefant ist, der es als erster auf den Baum schafft, kaufen sie eben den ganzen Wald.

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