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Tränen nach dem Krimi

Deutsche Handballerinnen sind im Kampf ums EM-Halbfinale nun auf die Hilfe anderer angewiesen

  • Von Michael Wilkening, Nancy
  • Lesedauer: 3 Min.

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Ein Trainer kann viel tun, um seine Mannschaft voranzubringen, aber irgendwann sind seine Möglichkeiten begrenzt. Henk Groener weiß das, und er sagte vor ein paar Tagen womöglich deshalb beiläufig diesen Satz: »Vielleicht merken die Mädels noch, wie gut sie eigentlich sind«, merkte der Niederländer an, der mit den deutschen Handballerinnen gerade in Frankreich weilt. Die Überzeugung, auch mit den Besten mithalten zu können, muss sich im Inneren eines Teams ohne den finalen Einfluss des Trainers entwickeln.

Bei der Europameisterschaft startete die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) vor gut einer Woche als Außenseiter ins Turnier, und weil die Schützlinge von Groener zuletzt den Eindruck hinterließen, dass sie gerade dabei sind, sich der eigenen Möglichkeiten bewusst zu werden, ist aus dem Außenseiter inzwischen eine Mannschaft geworden, die mit den besten mithalten kann. Am Sonntag reichte es jedoch nicht, um den nächsten Sieg zu erlangen. Gegen Ungarn unterlagen die deutschen Frauen nach einem packenden Spiel durch einen Gegentreffer neun Sekunden vor dem Ende mit 25:26 (10:12). Möglicherweise bekommen die »Groener-Girls« am Mittwoch gegen die Niederlande noch eine Chance auf die Teilnahme am Halbfinale, allerdings benötigen die Deutschen jetzt die Hilfe anderer.

Die Enttäuschung bei den deutschen Spielerinnen war in ihren Gesichtern abzulesen. Hier und da liefen einige Tränen an den Wangen herunter, als sie sich in der Arena in Nancy auf den Weg in die Kabine machten. Die Gier nach dem nächsten Sieg war groß und wurde gegen die Ungarinnen nach einer ausgeglichenen Partie dann doch nicht gestillt. »Wir haben vieles richtig gemacht«, sagte Groener trotz des bitteren Resultates. Zunächst sah es so aus, als würden die Deutschen in der Endphase die besseren Nerven haben, denn zehn Minuten vor dem Ende gelang Julia Behnke die 22:21-Führung, nachdem die DHB-Auswahl in der zweiten Halbzeit zunächst konstant einem knappen Rückstand hinterhergelaufen war. Bis zum 25:24 von Xenia Smits 97 Sekunden vor Schluss blieben die Deutschen auch ständig vorn, ehe das Spielglück doch wieder auf die andere Seite wechselte. 20 Sekunden vor dem Ende traf Emily Bölk mit einem kraftvollen Wurf aus neun Metern nur den Pfosten, auf der Gegenseite erzielten die Ungarinnen noch das 26:25.

Den jungen Deutschen fehlte im Krimi am Sonntagnachmittag etwas Glück, dabei hatten sie erneut eine Qualität gezeigt, mit der sie im bisherigen Turnierverlauf für Überraschungen sorgten. Sie haben keinen Star in ihren Reihen, sondern finden immer wieder eine neue Heldin. Das macht das Team von Henk Groener, der die niederländischen Frauen zwischen 2009 und 2016 trainierte und in die Weltspitze führte, unberechenbar und gefährlich für die stärksten Mannschaften des Kontinents.

Beim 29:23 zum Auftakt der Hauptrunde gegen Spanien ragte Dinah Eckerle heraus. Die Torhüterin hielt, was zu halten war, und ab und an noch einen Ball mehr. Die 23-Jährige steht sinnbildlich für die Potenziale, die in der deutschen Mannschaft schlummern. Seit Jahren gilt die Leonbergerin als großes Talent, in Frankreich steht sie zum ersten Mal bei einem großen Turnier als Nummer eins zwischen den Pfosten - und wächst an ihren Aufgaben.

Die Deutschen sind aber eben nicht nur auf die Topform von Eckerle angewiesen. Gegen Ungarn war Alicia Stolle im rechten Rückraum mit neun Toren die beste Offensivkraft. Die Linkshänderin vom Thüringer HC ist gerade 22 Jahre jung, ihr gehört die Zukunft. In den vorherigen Partien gab es mit Riesentalent Emily Bölk (20), Behnke (25) und Meike Schmelzer (25) andere Matchwinner, die ihre Entwicklungen ebenfalls noch gar nicht abgeschlossen haben sollten. Die Perspektive für die deutschen Handballerinnen ist also groß. Ob das auch schon für die gerade laufende Europameisterschaft gilt, ist nach der Niederlage gegen Ungarn unsicher geworden - aber nicht aussichtslos.

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