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Ein Anschluss unter dieser Nummer

Das Silbertelefon bietet in Fall von Einsamkeit und Isolation für Betroffene Unterstützung und Hilfe

  • Lesedauer: 2 Min.

Das noch junge Hilfetelefon für einsame Senioren in Berlin stellt zu sich Weihnachten breiter auf. Von Heiligabend bis Neujahr sei das »Silbertelefon« rund um die Uhr mit haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern besetzt, sagte Initiatorin Elke Schilling vom Verein Silbernetz. Zu der Jahreszeit wird großer Gesprächsbedarf bei Älteren erwartet. Seit Ende September gibt es die Hotline als regelmäßiges Angebot, finanziert vor allem durch Spenden. Träger ist der Humanistische Verband Deutschland.

Einsame können sich bisher zwischen 8 und 20 Uhr unter der Rufnummer 0800 4708090 melden, wenn sie einfach jemanden zum Reden brauchen, aber nicht gleich beim Krisendienst oder der Telefonseelsorge anrufen möchten. Voraussichtlich mit diesen Erreichbarkeitszeiten soll das Angebot auch vom 2. Januar 2019 an fortgeführt werden, kündigte Schilling an.

Kurz vor Weihnachten, am 20. und 21. Dezember, engagierten sich auch mehrere Politiker beim »Silbertelefon«: Unter anderem Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD), Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linkspartei) nahmen für je eine Stunde Anrufe an.

Nach dem Start der Hotline berichteten die Initiatoren von hoher Akzeptanz. In der ersten Woche sei das »Silbertelefon« täglich 100 Mal angerufen worden. Inzwischen steige das Anrufaufkommen nicht mehr so rapide und »überfallartig« wie anfangs, sagte Schilling. Sie sprach von etwa 20 neuen Anrufern pro Woche. Dafür gebe es inzwischen eine Reihe von Stamm-Anrufern: Manche meldeten sich täglich für eine kurze Wasserstandsmeldung. Anderen genügten seltenere, aber dafür längere Telefonate, in denen sie ausführlich ihre Probleme darlegten.

Neben der Hotline bietet Silbernetz Älteren auf Wunsch auch den Kontakt zu einem festen Telefon-Ansprechpartner: Bisher seien 15 solcher »Freundschaften« zu Ehrenamtlichen vermittelt worden, sagte Schilling. Interessant sei das breite Spektrum an Menschen, die sich für dieses Ehrenamt gefunden hätten: Sie seien zwischen 20 und 85 Jahre alt und hätten ganz unterschiedliche Motive für die Teilnahme.

Die Idee einer Senioren-Hotline stammt aus Großbritannien und ist dort sehr erfolgreich. Ziel ist es auch, isoliert lebende Ältere auf geeignete Angebote in ihrem Kiez aufmerksam zu machen und ihnen so zu helfen, aus ihrer Einsamkeit auszubrechen. Zu Weihnachten 2017 hatte es einen ersten Testlauf der Hotline in Berlin gegeben.

Experten beobachten, dass die Feiertage bei Seniorinnen und Senioren besonders stark mit Gedanken an die Familie und mit Erinnerungen an frühere Weihnachtsfeste verbunden sind. Ist der Partner gestorben und leben die Kinder weit entfernt, schmerze das Alleinsein besonders. Hinzu kommt Trauer um Verstorbene. Der Verein geht davon aus, dass in Deutschland rund acht Millionen Menschen zwischen 60 und 99 Jahren zumindest zeitweise von Einsamkeit oder Isolation betroffen sind. dpa/nd

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