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Trump koordiniert US-Abzug mit Erdogan

Türkei verlegt weiter Panzer und Truppen an die syrische Grenze, verschiebt aber einen Einmarsch

  • Von Alexander Isele
  • Lesedauer: 3 Min.

Der von Präsident Recep Tayyip Erdoğan angekündigte türkische Einmarsch in Nordsyrien ist vorerst verschoben. Allerdings bereitet sich die Türkei weiter auf eine Offensive gegen die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) vor, zu denen neben arabischen Milizen vor allem die linken, überwiegend kurdischen Einheiten YPG und YPJ gehören. Vor und während der Weihnachtstage verstärkte die Türkei ihre Truppen an der Grenze zum Bürgerkriegsland Syrien. Wie die staatlich kontrollierte türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete, soll in der Nacht zu Montag ein Konvoi mit Panzern und Granatwerfern den türkischen Grenzort Kilis erreicht haben, ein weiterer Konvoi aus der türkischen Provinz Hatay sei unterwegs. Auf der syrischen Seite rückten nach Angaben von Anadolu pro-türkische Rebellen in Richtung Manbidsch vor. Die Region Manbidsch steht unter Kontrolle des Manbidsch-Militärrats. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bestätigte die Truppenbewegungen.

Zuvor hatten sich Erdoğan und US-Präsident Trump in einem Telefonat bezüglich des Abzugs der US-amerikanischen Truppen aus Syrien koordiniert. Laut Trump sei über einen »langsamen und in hohem Maße koordinierten Rückzug von US-Truppen aus dem Gebiet« gesprochen worden. Der türkische Präsident drängt Trump seit Langem, die Kooperation mit den Kurden in Syrien aufzugeben, der US-Präsident begründete den Rückzug jedoch mit einem angeblichen Sieg über die Terrormiliz »Islamischer Staat« (IS), den er nun als »weitgehend« bezeichnet. Bei dem Telefonat habe Erdoğan Trump auch zu einem Besuch im kommenden Jahr eingeladen.

Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu sagte am Dienstag laut Anadolu, dass die Türkei mit den Resten des IS fertig werde. Zugleich warnte Çavuşoğlu Frankreich vor einer weiteren Unterstützung der YPG/YPJ in Syrien. Der französische Präsident Emmanuel Macron hatte den Abzug der US-Truppen zuvor kritisiert. Aus Paris hieß es, Frankreich werde seine Militärpräsenz in Syrien vorerst aufrechterhalten.

Trumps Truppenabzugsankündigung ist umstritten, weil diese den Kampf gegen den IS schwächt. Linken Kurden, mit denen die USA bisher im Kampf gegen den IS verbündet waren, werden im Stich gelassen. YPG-Sprecher Nuri Mahmud sagte der Deutschen Presseagentur, seine Einheiten blieben vorerst auf ihren Positionen und beobachteten die Situation. Der Sprecher des Militärrates von Manbidsch, Scherwan Darwisch, sagte am Dienstagabend, die Situation vor Ort sei ruhig, Einheiten aber in Alarmbereitschaft. Der Militärrat ist mit den kurdischen Truppen verbunden.

Der Kampf gegen die Terrormiliz IS in Syrien geht trotz des drohenden Angriffs der Türkei weiter. Unterstützt von Luftangriffen der US-geführten Militärkoalition, verschärften sich die Gefechte zwischen Kurden und Islamisten seit Dienstag, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Mit Agenturen

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