Wenn Lehrer diskriminieren

Die Gewerkschaft GEW fordert mehr Offenheit im Umgang mit Problemen an Berliner Schulen

  • Von Stefan Kruse
  • Lesedauer: 2 Min.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert mehr Offenheit im Umgang mit Diskriminierungsproblemen an Berliner Schulen. »Diejenigen, die in Schulen diskriminieren, sind oftmals Pädagogen«, sagte der GEW-Landesvorsitzende Tom Erdmann der Deutschen Presse-Agentur. »Das ist ein Thema, mit dem wir uns befassen und uns auch an die eigene Nase fassen müssen.«

Nach Einschätzung Erdmanns ist mehr Transparenz in den Schulkollegien nötig. »Das Thema sollte offensiv diskutiert werden.« Schulleitungen, Lehrkräfte und Erzieher müssten es »ohne Abwehrhaltung als Aufgabe erkennen«.

Aus einer kürzlich veröffentlichten Statistik des Senats geht hervor, dass Schüler an Berliner Schulen immer wieder wegen ihrer Herkunft, ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung oder Behinderungen diskriminiert werden. Die Antidiskriminierungsbeauftragte der Bildungsverwaltung, Saraya Gomis, zählte im Schuljahr 2016/2017 - aktuellere Angaben liegen nicht vor - bei 183 Beschwerden mindestens 147 bestätigte Vorkommnisse.

Allein in 106 Fällen wurden Schüler rassistisch oder antisemitisch benachteiligt, gedemütigt oder beleidigt. Nicht nur Antisemitismus ist dabei ein Problem, wo neun Fälle erfasst wurden, auch antimuslimischer Rassismus (36 Fälle), Rassismus gegen Schwarze Menschen (24) und Antiziganismus (12) sind weit verbreitet. 25 Fälle fallen unter die Kategorie »Sonstiges« (Sprache, Religion, Nationalität und mehrfache Rassifizierung). Bei der Hälfte der Gesamtfälle ging die Diskriminierung den Angaben zufolge ganz oder teilweise von Lehrkräften aus.

147 Fälle bei mehr als 350 000 Schülern an allgemeinbildenden Schulen klingen zunächst nach nicht viel, die Dunkelziffer dürfte jedoch Experten zufolge höher sein, weil sich nicht jedes Diskriminierungsopfer meldet und Vorfälle an Schulen mitunter vertuscht werden. »Schon das Abstreiten von Diskriminierung ist ein Problem«, betonte Erdmann. Wenn es Diskriminierungsfälle gebe, könne eine Versetzung des betroffenen Lehrers nicht die alleinige Lösung sein. »Wir brauchen Offenheit, aber auch Gelassenheit im Umgang mit dem Problem.«

Nötig seien mehr Schulsozialarbeiter und mehr Schulpsychologen. »Es ist gut, dass die Senatsbildungsverwaltung hier aufstockt, aber das ist noch nicht der große Wurf«, so Erdmann. Seine Gewerkschaft selbst will mehr Fortbildung für Lehrkräfte anbieten. »Wir wollen diese Themenfelder stärker besetzen und neue Fortbildungsangebote unterbreiten auch in Zusammenarbeit mit externen Trägern.«

Erdmann erneuerte die Forderung nach einer unabhängigen Beschwerdestelle ähnlich der Berliner Datenschutzbeauftragten, die dem Abgeordnetenhaus berichtspflichtig ist. »Das ist eine denkbare Struktur auch für einen Antidiskriminierungsbeauftragten.« Die Antidiskriminierungsbeauftragte der Bildungsverwaltung sei ein guter Anfang. Wirklich unabhängig agieren könne sie aber nicht, da ihr die nötigen Eingriffs- und Sanktionsmöglichkeiten fehlten. dpa

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