Whistleblower im Sport

Nach immer neuen Vorwürfen über Doping, Vertuschung und Korruption in allen Bereichen des Spitzensports richteten in den vergangenen Jahren viele Verbände sogenannte Hotlines für Whistleblower ein. Grund dafür sind auch neue Anforderungen an professionelle Verbandsführungen und die Einhaltung von Good-Governance-Regeln, die das Internationale Olympische Komitee (IOC) zu implementieren versucht. Laut »Aargauer Zeitung« bieten neben der WADA und dem IOC 24 weitere nationale Antidoping-Agenturen (NADA), zehn olympische Sportverbände, zwei unabhängige Organisationen sowie das Mediennetzwerk »Sport Leaks« solche Hotlines an. Von diesen 39 Stellen seien 31 auf Doping fokussiert.

Ob sie die gewünschten Erfolge liefern, ist noch unklar, denn die meisten von ihnen sind erst in den vergangenen zwei Jahren entstanden. Der deutsche NADA-Vorstand Lars Mortsiefer schwört jedoch darauf, denn ohne Informanten haben die Dopingjäger immer einen Rückstand zu den Sündern aufzuholen. »Hinweisgeber sind für die Antidoping-Arbeit essenziell«, teilte er dem »nd« mit. Die NADA erhalte über sein System »SPRICH’S AN« immer fundiertere Hinweise, »sodass wir mehrere Verstöße gegen die Antidoping-Bestimmungen feststellen konnten.«

Auf das 2015 in Betrieb genommene System wurde laut NADA bereits mehr als 8900 mal zugegriffen. Dabei gingen 127 konkrete Hinweise ein, die Ermittlungen nach sich zogen. In einigen Fällen wurden Zielkontrollen angesetzt, diese hätten auch schon »dazu geführt, Dopingverstöße aufzudecken«. Andernfalls wurden gemeinsame Untersuchungen mit der Staatsanwaltschaft, verschiedenen Polizeibehörden oder anderen Antidoping-Agenturen geführt.

Auch aus dem Ausland können sich Hinweisgeber bei der NADA melden. Das System wird auf Deutsch, Englisch und Russisch angeboten. Den Informanten wird dabei, wenn gewünscht, völlige Anonymität zugesichert. In den meisten Fällen wurde jedoch ein elektronischer Postkasten eingerichtet, um einen Kontakt mit der NADA zu ermöglichen. ok