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  • Berlin
  • Novemberrevolution 1918/19

Veranstaltung zur KPD-Gründung löst Empörung aus

Linkspartei blickt auf »widerspruchsvolle und wechselvolle« Parteigeschichte / CDU kritisiert »Verniedlichung«

  • Von Martin Kröger
  • Lesedauer: 3 Min.

Die revolutionäre Geschichte Berlins ist im Abgeordnetenhaus derzeit besonders in der Wandelhalle im ersten Stock zum Greifen nahe. Dort wird in der sehenswerten Ausstellung »100 Jahre Revolution Berlin 1918/19« noch bis zum 18. März über den Umsturz und das Ende des Kaiserreiches informiert. Viele der damaligen Ereignisse fanden genau hier statt: Im ehemaligen Preußischen Landtag tagte unter anderem der Reichskongress der Arbeiter und Soldatenräte. Eine eigene Tafel informiert in der Schau auch über die »Spaltung der Arbeiterbewegung« und die Gründung der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), die im Festsaal zum Jahreswechsel 1918/19 erfolgt war.

Einen Rückblick auf dieses Ereignis und »die widerspruchsvolle und wechselvolle Geschichte dieser Partei« wollte die Linksfraktion am Montagabend – nach Redaktionsschluss dieser Seite – im Festsaal des Abgeordnetenhauses wagen. Titel der Veranstaltung: »100 Jahre KPD«. »Der Anlass ist die Gründung der KPD vor 100 Jahren an diesem historischen Ort«, sagt der Sprecher der Linksfraktion, Thomas Barthel, dem »neuen deutschland«. Die LINKE sieht diese Veranstaltung als ihren eigenständigen Beitrag zu 100 Jahren Novemberrevolution an. Der Partei geht es vor allem um die Geschichte in den 1920er und 1930er Jahren, so Barthel. Geplant waren Beiträge unter anderem vom Bundesvorsitzenden der Linkspartei, Bernd Riexinger, und dem Historiker Marcel Bois. Musikalisch begleitet werden sollte die Veranstaltung mit Livemusik vom Liedermacher Kai Degenhardt. Gelesen werden sollen unter anderem Texte von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, die kurz nach der Parteigründung von rechten Freikorpssoldaten ermordet wurden.

Die Opposition im Abgeordnetenhaus kritisierte am Montag erneut die Durchführung der Veranstaltung. »Angesichts des Panels habe ich große Zweifel, dass es zu einer klaren Abgrenzung kommt«, sagte CDU-Fraktionschef Burkard Dregger auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz. Er sprach von einer »Verniedlichung der kommunistischen Ideologie«. Dregger forderte die Linksfraktion auf, zu der Veranstaltung Historiker wie Hubertus Knabe einzuladen, den langjährigen Direktor der Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, dem vor Kurzem die Kündigung ausgesprochen wurde. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach der Debatte um das schlechte Klima unter seiner Führung in der Gedenkstätte sagte Knabe, dass aus der Einladung der Linksfraktion hervorgeht, dass es eine »Gedenkfeier« werden soll. Die einzige Kritik würde sich in der taktischen Ausrichtung der KPD etwa an der »Sozialfaschismustheorie« niederschlagen. »Die fatale politische Gesamtauswirkung bleibt unerwähnt«, monierte Knabe, der einen weiten Bogen bis in die Gegenwart spannte. »Bis heute bezieht sich die Linkspartei auf ihre kommunistische Vorgeschichte.«

Den Vorwurf einer Jubelveranstaltung weist die Linksfraktion indes zurück. »Es geht um eine kritische Auseinandersetzung, auch mit der eigenen Geschichte«, sagt Thomas Barthel. Insbesondere mit Blick auf die Haltung der KPD zur Demokratie. »Für uns heißt das, Veränderung geht nicht mit weniger, sondern immer nur mit mehr Demokratie.«

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