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Gelbwrestler

Ex-Profiboxer und Gilet Jaune: Christophe Dettinger

  • Von Nelli Tügel
  • Lesedauer: 2 Min.

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Wie Karatekid schwingt sich ein großer, breitschultriger Mann per Salto über ein Brückengeländer. Dann teilt er aus, offensichtlich von Wut getrieben, aber, das erkennt auch ein Laie, durchaus berechnend und professionell. Das Gegenüber wird zurückgedrängt, später setzt es Tritte. Das Gegenüber ist schwer bewaffnete Polizei, der Ort des Geschehens Paris, es ist der obligatorische Protestsamstag der Gilets Jaunes - und der austeilt, ist nicht Karatekid, sondern ein ehemaliger Profiboxer: Christophe Dettinger, zweifacher französischer Meister im Halbschwergewicht, Vater von drei Kindern - und ein Gilet Jaune.

Un homme boxe un gendarme, l'incroyable séquence de l'acte 8 à Paris

Nachdem ein Handyfilmchen, das oben beschriebene Szenen zeigt, am vergangenen Wochenende viral ging, nimmt Dettinger seinerseits ein Video auf, in dem er die Beweggründe dafür erklärt, Polizisten vermöbelt zu haben, veröffentlicht es auf Facebook - und stellt sich am Montag der Polizei. Er sei Franzose, weder extrem links noch extrem rechts, sondern ein »normaler Bürger«, der arbeiten gehe und sich Sorgen um die Zukunft seiner Kinder mache, so Dettinger. Ihm ist anzumerken, dass er im Redenhalten weniger geübt ist als im Sportboxen - nicht zum Nachteil der Videobotschaft. »Je suis un Gilet Jaune«, sagt er und bittet die Gelbwesten - »s’il vous plaît, s’il vous plaît!«, die gestikulierenden Hände sind dabei zu Fäusten geballt - weiterzumachen. Aber mit friedlichen Methoden. Was er getan habe, sei falsch gewesen.

Christophe Dettinger «le boxeur» s'est exprimé sur Facebook

Man mag von all dem halten, was man will. Doch ist die Videobotschaft des Boxers hilfreich, um zu verstehen, weshalb etliche Franzosen ihn als Helden feiern und eine Sammelaktion für die Gerichtskosten innerhalb von 20 Stunden fast 120 000 Euro einbrachte. Der 37-Jährige schildert dort nämlich auch die Repression, die er an diesem Tag erlebt hat, den massenhaften Einsatz von Tränengas und Gummigeschossen. Und - auch das ist auf besagtem Handyfilm wie auf vielen weiteren zu sehen - es stimmt: Frankreich wird derzeit unter Einsatz extremer Polizeigewalt regiert. Wer davon nicht reden will, sollte von Dettinger schweigen.

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