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»Das Geld ins Wasser bringen«

Die Berliner Bäder-Betriebe packen 2019 mit 60 Millionen Euro den Sanierungsstau an

  • Von Martin Kröger
  • Lesedauer: 3 Min.

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So eine überraschende Schließung wie die der Schwimmhalle Holzmarktstraße in Berlin-Friedrichshain wollen die Bäderbetriebe nicht noch einmal erleben. »Wir mussten das Bad ungeplant vom Netz nehmen«, sagt der Vorstandsvorsitzende der Berliner Bäder-Betriebe, Andreas Scholz-Fleischmann. Nachdem ein Statiker gewarnt hatte, musste die Schwimmhalle im Sommer vergangenen Jahres wegen Einsturzgefahr von einem Tag auf den anderen geschlossen werden. Die Halle kann nicht mehr saniert werden und muss komplett neu gebaut werden - damit gibt es im Stadtteil Friedrichshain kein öffentliches Schwimmen mehr. Ingesamt beträgt der Sanierungsstau bei den kommunalen Bäderbetrieben rund 170 Millionen Euro.

Dieses große Problem soll jetzt grundlegend angegangen werden. »2019 wird das Jahr sein, in dem wir den Mentalitätswechsel sehen werden«, kündigte Sport-Staatssekretär Aleksander Dzembritzki (SPD) am Donnerstag bei einer Pressekonferenz der Bäderbetriebe an. Damit ist ein der sogenannte Paradigmenwechsel im Umgang mit dem klammen Landesbetrieb gemeint. Die Abgeordneten des Landesparlaments als Haushaltsgeber wollen von den BBB nicht mehr wissen, was sie mit dem Geld machen, sondern wie viel sie brauchen. Oder wie es Staatssekretär Dzembritzki sagt: »Ich möchte das Geld, das Berlin zur Verfügung hat, ins Wasser bringen.«

Dass die finanziellen Mittel für die Bäderbetriebe mit 60 Millionen Euro massiv von Rot-Rot-Grün aufgestockt werden, zeigte sich bereits im Nachtragshaushalt 2018/2019, wo die zusätzlichen Mittel enthalten waren. Für die Bäderbetriebe kommt der Geldsegen zur rechten Zeit. »Das ist absolut notwendig, allein hätten wir das nicht hingekriegt«, sagt Bäderchef Andreas Scholz-Fleischmann. Und anders als früher kann das Unternehmen der öffentlichen Daseinsvorsorge ab diesem Jahr gleich drei große Projekte auf einmal angehen, nämlich die Sanierung des Stadtbades Tiergarten, des Paracelsus-Bads in Reinickendorf und des Wellenbades Kreuzberg am Spreewaldplatz (siehe Kasten). Die Zeiten, als Bäder lediglich teilsaniert wurden, sollen nun endgültig der Vergangenheit angehören.

Doch wo mindestens zwei Jahre - wenn nicht länger - saniert werden muss, gibt es auch Ausfälle und neue Schwierigkeiten. Das Schul- und Vereinsschwimmen muss verlegt werden. Dadurch sinken wiederum die Zeiten, die für öffentliches Schwimmen angeboten werden können. Um den sich abzeichnenden gravierenden Engpässen entgegenzuwirken, wollen die Bäderbetriebe provisorische Ersatzlösungen schaffen: Im Sommerbad Kreuzberg etwa soll eine Interimshalle gebaut werden, im Kombibad an der Seestraße in Wedding sollen in der Wintersaison sogar zwei Traglufthallen aufgestellt werden. Zudem sollen einige Sommerbäder zwei Wochen früher öffnen. Auch die Öffnungszeiten der ein oder anderen Schwimmhalle könnten ausgeweitet werden. Mit den frischen Mitteln sollen auch endlich die gravierenden Personalprobleme unter anderem durch die Einstellung von 24 zusätzlichen Rettungsschwimmern reduziert werden. Fachkräfte zu finden ist indes schwierig, weil überall in Deutschland Fachkräfte für Schwimmhallen dringend gesucht werden.

An die zusätzlichen Mittel für die Bäderbetriebe sind natürlich Erwartungen geknüpft. »Der Plan für die Sanierungsarbeiten muss funktionieren«, fordert der sportpolitische Sprecher der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus, Philipp Bertram. Einerseits muss die Bauabteilung der BBB das große Bauvolumen schaffen, andererseits muss das Personal auch am Beckenrand landen. »Es muss so koordiniert ablaufen, dass wir nicht wieder auf dem Trockenen landen«, sagt Bertram. Und: Es gelte durch kluges Sanierungsmanagement alle drei Nutzergruppen - das Schul-, das Vereins- und das öffentliche Schwimmen - zu bedienen.

Ob der große Auftakt zum zehnjährigen Sanierungsprogramm der BBB in diesem Jahr gelingt, wird sich zeigen. Insbesondere die Umsetzung der Interimslösungen scheint noch nicht weit gediehen zu sein - davon hängt aber ab, ob sich nicht noch mehr Menschen abwenden und lieber zu privaten Anbietern wechseln.

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