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Menasse zeigt sich einsichtig

Schrifsteller erhält die Carl-Zuckmayer-Medaille 2019

  • Von Ute Evers
  • Lesedauer: 2 Min.

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Der österreichische Schrifsteller Robert Menasse
Der österreichische Schrifsteller Robert Menasse

Am Freitagabend füllte sich das Mainzer Staatstheater mit mehr als 900 geladenen Gästen aus der rheinland-pfälzischen Politik, Kultur und Wirtschaft sowie 150 Schülerinnen und Schülern aus Mainzer Schulen. Alle erwarteten mit Spannung die Verleihung der Carl-Zuckmayer-Medaille, die dieses Jahr an den Wiener Schriftsteller Robert Menasse ging.

Für Malu Dreyer (SPD) war es »wahrlich kein leichter Weg bis zu diesem Festabend«, doch »ich bin überzeugt, dass sich der Charakter und die Kultur unserer demokratischen Gesellschaft auch darin erweisen, dass wir eine ehrliche Entschuldigung für Fehler und Handeln annehmen und sie nicht dazu benutzen, den Stab über die Person zu brechen«. Versöhnliche Worte der Preisverleiherin und Landeschefin, die das Publikum mit einem Zwischenapplaus quittierte.

Dem feierlichen Abend gingen Monate heftiger Debatten voraus. Menasse hatte Walter Hallstein, einstiger Mainzer Politiker, erfundene Zitate in den Mund gelegt und dessen Antrittsrede zum ersten Präsidenten der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft nach Auschwitz verlegt, Letzteres ausgerechnet in seinem Roman »Die Hauptstadt«. Der Deutsche Buchpreisträger von 2017 räumte schließlich seine Fehler ein.

Der seit 40 Jahren von Rheinland-Pfalz verliehene Literaturpreis würdigt die Verdienste um die deutsche Sprache und das künstlerische Wort, deshalb »dachte ich zunächst, dass es sinnvoll wäre, mich mit der deutschen Sprache auseinanderzusetzen, genauer gesagt, mit dem schleichenden Bedeutungswandel von Begriffen«, begann Menasse seine Dankesrede. In einem teils ironisch, teils ernsthaften Ton nannte Menasse die Punkte, über die er gerne gesprochen hätte, um sich dann selbst auszubremsen. Er könne nicht so tun, »als ob zwischen der Zuerkennung des Preises und dem heutigen Tag nichts geschehen wäre«. Seine selbstkritische Einsicht verpackte er in einen fiktiven Traum. Er bezog sich auf das Dossier Geheimreport von 1943/44, in welchem Zuckmayer auch ihn typisiert hätte. »Aber wenn er zitiert, muss er doch wörtlich zitieren. Sinngemäß allein ist kein Zitat. Es kann nicht sein, dass ihm Pegasus, das alte Ross, gar so leicht durchgeht. Er hat es mir versprochen.«

Abgerundet wurde der Abend mit einer Violoncello-Inspiration von Bach (Judith Falzerano), der Projektion eines Kurzfilmporträts über Menasse (von Alexander Wasner), mit dem Einakter »Beim Griechen« aus »Die Hauptstadt« (mit Anika Baumann und Henner Momann) und einer Improvisation der »Ode an die Freude«, mit Samuel Hogarth am Klavier. Anika Baumann, feste Schauspielerin des Mainzer Ensembles, führte als Moderatorin durch den Abend.

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