Eine schwierige Liebe

Eva und Erwin Strittmatter und der Weg zum Schulzenhof

1952 lernten sich der erfolgreiche Schriftsteller und die junge Angestellte des Schriftstellerverbandes kennen, beide bereits verheiratet. Es war Liebe, nicht auf den ersten Blick, dafür umso heftiger. Soeben erschien der Briefwechsel von Eva und Erwin Strittmatter aus den Jahren 1952 bis 1958, der anrührend beginnt und schon etwas vorwegnimmt von dem schwierigen Verhältnis der beiden zueinander. Hier der arrivierte Schriftsteller, der Hofbetreiber, Viehhalter, der sowohl schreiben als auch mit Leib und Seele Bauer sein will. Da die Lektorin und angehende Schriftstellerin, die die nicht ganz so großen Räder, aber ihre eigenen drehen will.

»Ich habe Deine Verachtung der Praxis nur zu deutlich gespürt. Ich kann Dir aber schon jetzt sagen, Deine Arbeit und Dein Buch wird ein Dreck sein, wenn du so weiterlebst … Im Grunde genommen ist es nur deine Faulheit, die Dich in Schulzenhof nicht die richtige Arbeitsatmosphäre finden lässt«, wirft der Patriarch ihr vor, und Evchen steckt zurück. Sie können beide nicht voneinander lassen, auch wenn der Gedanke an eine Trennung im Raum steht. Sie nimmt sich zurück, wird dennoch eine der bekanntesten ostdeutschen Lyrikerinnen und seine Lektorin.

Sohn Erwin litt unter dem strengen Regiment des Vaters. Man sollte seine »Erinnerungen an den Schulzenhof« zusammen mit den Briefen in diesem Band lesen, die Geschichte von beiden Enden begreifen, vom stürmischen Anfang und dem eher kläglichen Ende, als aus dem Schwerenöter und Macho ein Verzagter, Zitternder geworden ist, aus der Jungverliebten eine Tablettensüchtige, die sich von der Welt fernhalten will und weder mit ihrem Mann noch mit ihren Kindern zurechtkommt.

Dazwischen sind die Romane, Erzählungen und Gedichte. Allein schon wegen der Trilogie »Der Wundertäter« hat diese leidenschaftliche, komplizierte, verkorkste Partnerschaft für die literarische Welt einen Sinn und war nicht vergebens. mps