Nichts für Konfirmanden

»Dieses Buch ist nichts für Konfirmanden, ganz gleich, wie alt sie sind«, meinte Kästner, als die bereits entschärfte Fassung seines »Fabian« erschien. Gleichwohl erschien der Roman vielen als dekadent und obszön. Dabei tat Kästner nichts anderes, als seine eigenen Erlebnisse in Berlin und seine Beobachtungen in Romanform zu gießen, nichts zu beschönigen oder zu sublimieren - ganz im Sinne der Neuen Sachlichkeit.

Fabian, Dr. Jakob Fabian, Germanist und im Augenblick als Werbetexter arbeitend, ist neu in Berlin und sucht Bekanntschaften. Die findet er in Salons. Lieber würde er der ironische Beobachter sein, doch der Lebenshunger nach dem Weltkrieg lässt die bürgerlichen Fassaden bröckeln. Lebe jetzt, das gilt für Männer wie Frauen, für Prüderie ist da kein Platz. Wie schnell kann aus dem Bankangestellten ein hungriger Bettler werden.

Fabian durchstreift das Nachtleben, verliebt sich und ist dabei, seine passive Haltung aufzugeben. Doch dann verliert er seine Stelle, seine Freundin geht, um beide durchzubringen, eine Liaison mit dem Filmdirektor ein, was Fabian schwer zu schaffen macht. Vor dem Hintergrund des aufziehenden Faschismus und der Gewalt auf den Straßen geht Fabian zurück nach Dresden. Eine angebotene Arbeit bei einer rechtsnationalen Zeitung lehnt er ab, er ist trotz allem einer, der an das Anständige glaubt. Fabian stirbt, als er einen Jungen aus dem Fluss retten will. mps