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Sonne, Wind und Unmengen Biomasse

Aus Zuckerrohrabfällen will das Ingolstädter Unternehmen Prolignis AG auf Kuba Energie gewinnen

  • Von Andreas Knobloch, Havanna
  • Lesedauer: 3 Min.

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»Kuba hat alles, was es braucht, um im Bereich erneuerbare Energien voranzukommen: Sonne, Wind und Unmengen an Biomasse aus landwirtschaftlichen Abfällen«, sagt Wolfgang Krug. »Nur am Geld fehlt es.« Krug ist Geschäftsführer der Prolignis AG aus Ingolstadt, einer Projektentwicklungsgesellschaft für erneuerbare Energien. Zusammen mit dem Maschinenbauer LAWI Engineering aus Kiel hat er das Konsortium EnerCu gegründet, um ein CO2-neutrales Biomasseheizkraftwerk in der Provinz Cienfuegos zu bauen.

Kuba hat in den letzten Jahren systematisch in erneuerbare Energien investiert. Mehrere Windparks und Solaranlagen sind entstanden. Aktuell basiert die kubanische Stromerzeugung insbesondere auf Ölimporten aus Venezuela. Doch die sind aufgrund der wirtschaftlichen und soziale Krise dort eingebrochen. Wachsender Tourismus und Privatwirtschaft sorgen auf der anderen Seite für eine steigende Nachfrage. Um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren, plant Havanna, bis 2030 ein Viertel des Stroms aus erneuerbaren Energien zu gewinnen. Davon wiederum sollen knapp 60 Prozent aus Biomasse stammen.

Insgesamt will die Regierung in Havanna 20 neue Biomasse-Heizkraftwerke in direkter Nachbarschaft zu Zuckermühlen errichten. Die Zuckerrohrindustrie produziert Tonnen von organischen Abfallstoffen, sogenannte Bagassen, die energetisch genutzt werden können. »Schon heute wird Strom und Dampf für Zuckermühlen aus den Bagassen genutzt«, sagt Krug. »Aber in alten Kesseln. Und die laufen auch nur während der sechsmonatigen Erntezeit.«

Dies will EnerCu ändern. Neben Zuckerrohrabfällen soll Marabú, eine Strauchart, die in Kuba bereits als Plage gilt, als Brennstoff verwendet werden, um das geplante Biomasse-Kraftwerk ganzjährig zu nutzen. Hochmoderne Filtertechnik sorgt für eine emissionsfreie Verbrennung. Der überschüssige Strom soll ins öffentliche Netz eingespeist werden. »Unser Kraftwerk kann ein paar zehntausend Haushalte mit Strom versorgen«, sagt Krug. »Und das ganzjährig.« Etwas, was Kuba dringend benötige.

Das Geschäftsmodell ist einfach: Die kubanische Regierung stellt alte Zuckerrohrflächen, die heute mit Marabú bewachsen sind, und die Konzession zur Abholzung sowie die Zuckerbagasse zur Verfügung; die deutschen Mittelständler Technologie und Investitionen. Dafür erhalten sie später einen festen Tarif für den eingespeisten Strom. »Ein fairer Deal von den Kubanern«, wie Krug findet.

Biopower, ein erstes Biomasse-Kraftwerk eines schottisch-chinesisch-kubanischen Joint Ventures geht demnächst in der Provinz Ciego de Ávila ans Netz. Die nötigen Investitionen kamen aus China.

Oft aber bleiben die Projekte in der Entwicklungsphase stecken, was mit den schwierigen Finanzierungsbedingungen zu tun hat. Seit fast 60 Jahren leidet Kuba unter der Wirtschafts-, Finanz- und Handelsblockade durch die USA. Deren Bestimmungen betreffen auch Drittstaaten. Von US-Gerichten in der Vergangenheit verhängte Milliardenstrafen gegen Banken und Unternehmen, die mutmaßlich gegen die Blockadebestimmungen verstoßen haben, lassen potenzielle Investoren vorsichtig agieren. Deutsche Banken lassen sich nicht mehr auf Kuba ein, seitdem die Commerzbank im Mai 2015 wegen Geschäften mit Kuba aufgrund der Blockadegesetzgebung in den USA zu einer Strafe von 1,7 Milliarden US-Dollar verdonnert wurde. Kuba selbst steckt in Zahlungsschwierigkeiten; von deutscher Seite fehlt es an öffentlicher Entwicklungsfinanzierung.

Rund 70 Millionen US-Dollar Investitionssumme veranschlagt Krug für das Biomasse-Kraftwerk. »Derzeit verhandeln wir mit Investoren weltweit, um Geldgeber für dieses attraktive, grüne Projekt ins Boot zu holen«, sagt er. Warum er trotz der Hindernisse am Ball bleibt? »Der Reiz des Anderen. Als kleines Unternehmen suchen wir Nischen - dort, wo die Großen nicht hingehen.« Und Kuba sei ein ganz besonderer Nischenmarkt, aber auch eine Herausforderung. »Alles dauert hier etwas länger, aber unser Projekt könnte sofort umgesetzt werden.«

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