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Begegnungsorte

Uwe Rada ist von Polen hin und weg

  • Von Jörg Ciszewski
  • Lesedauer: 2 Min.
Ein klassischer Reiseführer sieht anders aus. Uwe Rada verzichtet auf Hotelempfehlungen oder Stadtpläne und wirbt stattdessen mit charmanten Anekdoten und Alltagsbeobachtungen um die Reisegunst der Berliner. Er macht 15 Angebote, außergewöhnliche Orte in Polen zu besuchen. Dabei führen viele der in Berlin startenden Ausflüge ins deutsch-polnische Grenzgebiet, zum Beispiel ins selbst ernannte »kleinste Städtchen Europas« namens Lagów. Im Grünen zwischen zwei Seen gelegen und von einem mächtigen Burgturm beherrscht, ist der Ort jeden Sommer Pilgerstätte für Cineasten aus Polen und Deutschland. Hier, auf dem Weg zwischen Frankfurt/Oder und Poznan, findet bereits seit 1969 mit wachsendem Erfolg das Filmfest »Lubuskie Lato Filmowe« statt.
Als ausgewiesener Kenner des deutsch-polnischen Grenzgebietes ist Uwe Rada wie ein Wünschelrutengänger den alten soziographischen Bezügen dieser Landschaft auf der Spur. Mit fortschreitender verkehrstechnischer Erschließung wähnt er in Teilen Westpolens die Erkenntnis heranreifen, näher an Berlin als an Warschau zu sein. Der Bürgermeister des knapp 100 Kilometer von Berlin gelegenen Kostrzyn freut sich über die deutschen Touristen, die auf der Suche nach den alten Fundamenten des »Preußischen Pompeji« den lokalen Handel beleben, oder über die vielen Hippies und Rockfans aus dem Westen, die einmal im Jahr das Open-Air-Konzert in Kostrzyn zum größten Europas machen. Voriges Jahr wurde das Festival »Przystanek Woodstock« als Absage an die Politik der Populisten aus Warschau inszeniert. Der Bürgermeister verweist vielsagend auf den Zugfahrplan: Nach Warschau geht pro Tag ein Zug, nach Berlin stündlich.
Auch unter Unternehmern der boomenden Messestadt Poznan, die dreimal täglich ab Berlin mit dem Zug in drei Stunden zu erreichen ist, meint Uwe Rada eine gewisse Stimmung des »Berlin liegt näher als Warschau« auszumachen. Beobachtungen dieser Art sollen beim deutschen Leser eine mentale Nähe zu den vorgestellten Orten und ihren Bewohnern herstellen. Gelegentlich ist das ein wenig übertrieben: So wird bei Rada eine Paddeltour durch den Drawa-Nationalpark südöstlich von Szczecin zum Trip durch die »Berliner Masuren«. Sprachliche Verrenkungen wie diese wären nicht nötig gewesen. Denn die kenntnisreich geschriebenen Reportagen, illustriert von der Fotografin Inka Schwand, wecken Neugier. Bereits 2004 stellte Uwe Rada mit dem Buch »Zwischenland« sein besonderes Gespür für die Menschen und Orte im deutsch-polnischen Grenzgebiet unter Beweis. Im Nachbarland gibt es tatsächlich noch viel zu entdecken.

Uwe Rada: Polen hin und weg. Kurztrips zum Nachbarn. Fotos Inka Schwand. Edition q im be.bra Verlag. 143 S., brosch., 9,90 EUR.

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