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Kann Musik die Welt retten?

Julia Fischer über ihr Solo vor G8, Entertainment und Musiktheorie

Die heute 25-jährige Geigerin hat 1997 im Alter von gerade mal 14 Jahren den Solistenpreis der Festspiele MV gewonnen.

ND: In den Unterlagen für die jetzt begonnenen Festspiele Mecklenburg-Vorpommern werden Sie als Aushängeschild für das Musikfest bezeichnet. Sind Sie eins?
Julia Fischer: Das weiß ich nicht so genau. Fakt ist, dass ich mit den Festspielen sehr eng zusammenarbeite und sehr gern hier bin. Die Festspiele haben mir unglaublich viele Möglichkeiten gegeben. Also, wenn ich ein Aushängeschild sein sollte, dann bin ich davon sehr geehrt.

Sie hatten eben einen kurzfristig im Schloss Hohen Luckow organisierten Auftritt vor den G8-Gästen, allein mit 16 Zuhörern. Was haben Sie dort gespielt, und wie war es?
Die Chaconne von Bach, die F-Dur-Romanze von Beethoven und die Sonate in F-Dur von Mendelssohn-Bartholdy. Ich bin da reingelaufen, habe auf Englisch das Programm angesagt, weil man vergessen hatte, die Programme zu verteilen, und sie haben auch gut zugehört. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich war begeistert.

Sie haben da vor den vielleicht wichtigsten Leuten der Welt gespielt. Kann man mit Musik die Welt retten?
Na hoffentlich. Ich weiß nicht, ob man mit Musik die Welt retten kann. Aber man kann sie sicher verbessern. Weil man mit Musik Menschen verbessern kann. Das glaube ich ganz fest.

Seit Herbst 2006 unterrichten Sie in Frankfurt (Main) als jüngste Violin-Professorin Deutschlands junge Leute. Worauf kommt es an?
Es fehlt prinzipiell bei den meisten Studenten an der moralischen Erziehung, wozu Musik da ist und warum man eigentlich Musik macht. Ich habe einen Fall gehabt, wo das Aussehen sehr viel wichtiger war als das, was man mit der Musik leistet. Aber man muss doch wissen, was das Wesentliche im Leben ist: Warum will ich auf die Bühne? Warum will ich ein Konzert spielen? Warum bin ich Musiker? Ich bin jemand, der von seinen Schülern auch einiges an Musiktheorie verlangt. So lautet das Aufsatzthema bis zum nächsten Unterricht: Warum studiere ich Musik? Das ist mir sehr wichtig.

Sie sagen auch, dass der Weg zur Klassik nicht über Entertainment führen darf, sondern über andere Wege. Welche sind das?
Man kann jemanden nicht an klassische Musik heranführen, wenn man ihm keine - zumindest passive - Ausbildung in Musik gibt. Zum Beispiel durch das Chorsingen. Man muss das selber gemacht und erlebt haben. Ich vergleiche das gern mit der Literatur. Man kann ja auch einen Menschen nicht an die Literatur heranführen, wenn er nicht lesen kann.

Gemeinsam mit Ihrer Preisträger-Kollegin Viviane Hagner werden sie bald auch öffentlich Bratsche spielen. Warum das?
Ich wurde darum gebeten, hielt es für eine lustige Idee, Viviane auch, und da haben wir gesagt, gut, das machen wir.

Wird es nur lustige Idee bleiben?
Das wird sich zeigen. Es ist ja nun keine große Umstellung, wenn ein Geiger Bratsche spielt. Da geht die Welt nicht unter. Ich glaube, dass ich das einigermaßen hinkriegen werde. Sonst hätte ich nicht zugestimmt.

Zurück zum Eröffnungskonzert der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, für das Sie das Violinkonzert von Jean Sibelius ausgewählt haben. Warum Sibelius?
Wir haben ein Werk gesucht, das ich hier noch nicht gespielt habe. Und wir mussten natürlich auch darauf achten, was sonst noch auf dem Programm steht, und was der Dirigent Kristjan Järvi gern haben wollte. Da sind wir bei Sibelius gelandet.

Fragen: Jürgen Seidel

Informationen zu den Festspielen: 
www.festspiele-mv.de 

ND: In den Unterlagen für die jetzt begonnenen Festspiele Mecklenburg-Vorpommern werden Sie als Aushängeschild für das Musikfest bezeichnet. Sind Sie eins?
Julia Fischer: Das weiß ich nicht so genau. Fakt ist, dass ich mit den Festspielen sehr eng zusammenarbeite und sehr gern hier bin. Die Festspiele haben mir unglaublich viele Möglichkeiten gegeben. Also, wenn ich ein Aushängeschild sein sollte, dann bin ich davon sehr geehrt.

Sie hatten eben einen kurzfristig im Schloss Hohen Luckow organisierten Auftritt vor den G8-Gästen, allein mit 16 Zuhörern. Was haben Sie dort gespielt, und wie war es?
Die Chaconne von Bach, die F-Dur-Romanze von Beethoven und die Sonate in F-Dur von Mendelssohn-Bartholdy. Ich bin da reingelaufen, habe auf Englisch das Programm angesagt, weil man vergessen hatte, die Programme zu verteilen, und sie haben auch gut zugehört. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich war begeistert.

Sie haben da vor den vielleicht wichtigsten Leuten der Welt gespielt. Kann man mit Musik die Welt retten?
Na hoffentlich. Ich weiß nicht, ob man mit Musik die Welt retten kann. Aber man kann sie sicher verbessern. Weil man mit Musik Menschen verbessern kann. Das glaube ich ganz fest.

Seit Herbst 2006 unterrichten Sie in Frankfurt (Main) als jüngste Violin-Professorin Deutschlands junge Leute. Worauf kommt es an?
Es fehlt prinzipiell bei den meisten Studenten an der moralischen Erziehung, wozu Musik da ist und warum man eigentlich Musik macht. Ich habe einen Fall gehabt, wo das Aussehen sehr viel wichtiger war als das, was man mit der Musik leistet. Aber man muss doch wissen, was das Wesentliche im Leben ist: Warum will ich auf die Bühne? Warum will ich ein Konzert spielen? Warum bin ich Musiker? Ich bin jemand, der von seinen Schülern auch einiges an Musiktheorie verlangt. So lautet das Aufsatzthema bis zum nächsten Unterricht: Warum studiere ich Musik? Das ist mir sehr wichtig.

Sie sagen auch, dass der Weg zur Klassik nicht über Entertainment führen darf, sondern über andere Wege. Welche sind das?
Man kann jemanden nicht an klassische Musik heranführen, wenn man ihm keine - zumindest passive - Ausbildung in Musik gibt. Zum Beispiel durch das Chorsingen. Man muss das selber gemacht und erlebt haben. Ich vergleiche das gern mit der Literatur. Man kann ja auch einen Menschen nicht an die Literatur heranführen, wenn er nicht lesen kann.

Gemeinsam mit Ihrer Preisträger-Kollegin Viviane Hagner werden sie bald auch öffentlich Bratsche spielen. Warum das?
Ich wurde darum gebeten, hielt es für eine lustige Idee, Viviane auch, und da haben wir gesagt, gut, das machen wir.

Wird es nur lustige Idee bleiben?
Das wird sich zeigen. Es ist ja nun keine große Umstellung, wenn ein Geiger Bratsche spielt. Da geht die Welt nicht unter. Ich glaube, dass ich das einigermaßen hinkriegen werde. Sonst hätte ich nicht zugestimmt.

Zurück zum Eröffnungskonzert der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, für das Sie das Violinkonzert von Jean Sibelius ausgewählt haben. Warum Sibelius?
Wir haben ein Werk gesucht, das ich hier noch nicht gespielt habe. Und wir mussten natürlich auch darauf achten, was sonst noch auf dem Programm steht, und was der Dirigent Kristjan Järvi gern haben wollte. Da sind wir bei Sibelius gelandet.

Fragen: Jürgen Seidel

Informationen zu den Festspielen: 
www.festspiele-mv.de 


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