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Zaunechsen und Kastrationsangst

Mit dem Schutz des werdenden Lebens kann man gar nicht früh genug beginnen, meint Andreas Koristka

  • Von Andreas Koristka
  • Lesedauer: 3 Min.

Der »Welt«-Chefredakteur Ulf Poschardt ist einer der angesehensten Trolle auf Twitter. Kürzlich gab er auf besagter Online-Plattform bekannt, dass er es bemerkenswert findet, »wie kaltherzig exakt jene Milieus in der Abtreibungsdebatte über ungeborenes Leben richten, die sonst beim Schutz für brütenden [sic] Zaunechsen [sic] und 16jährige [sic] SchulschwänzerInnen vor Sentimentalität fast zerfließen«.

Das so zu finden ist natürlich sein gutes Recht. Genauso, wie es vielleicht andere Leute verwunderlich finden, dass sich plötzlich Leute, allen voran Ulf Poschardt, zu warmherzigen Fürsprechern menschlichen Lebens aufschwingen, die sich ansonsten dafür einsetzen, dass man auf deutschen Autobahnen mit seinem Sportwagen und Tempo 260 auf einen am Stauende befindlichen voll besetzten Kleinwagen auffahren kann.

Trotzdem ist es immer schön zu sehen, wenn sich die größten Denker unserer Zeit in die wichtige Abtreibungsdebatte einmischen, in der sich ja bekanntlich alles darum dreht, wann genau das neue menschliche Leben beginnt. Als Mann könnte man diese schwierige Diskussion zwar der Damenwelt überlassen, aber damit würde man das zarte Geschlecht ganz unritterlich dem Denken eigener Gedanken aussetzen. Und das macht Falten.

Es bleibt also festzuhalten: Die Geburt kann aus nachvollziehbaren Gründen nicht die Geburtsstunde eines Menschen sein. Ist einfach so. (Wer es nicht glaubt, kann ja bei Poschardt nachfragen.) Gemeinhin geht man davon aus, dass der neue Hominide dann entsteht, wenn Samen- und Eizelle miteinander verschmelzen. Aber ist das überhaupt korrekt? Wer schon einmal die Möglichkeit hatte, fröhlich vor sich hinschwimmende Spermien unter einem Mikroskop zu betrachten, wird daran erhebliche Zweifel haben.

Ei- und Samenzelle sind lange vor der Entstehung eines Fötus lebendig - sind also Leben und gehören zur wunderbaren Schöpfung wie Schimmel auf dem Hüttenkäse, Fadenwürmer im Po-Loch und Chefredakteure im Porsche 911. Nicht umsonst warnt man davor, dass männliches Ejakulat im Schwimmbecken erst nach einer halben Minute stirbt, unter dem Klodeckel sogar erst nach drei Jahren! Wie sollte es sterben, wenn es vorher nicht lebte?

Aber wann genau entsteht dann nun der neue Mensch? Nun, wir wissen es nicht genau. Allerdings gibt es Anhaltspunkte. Vielleicht entsteht menschliches Leben beim ersten scheuen Kuss oder beim Aufhalten einer Tür oder wenn man eine Frau 40 Minuten lang in der Regionalbahn anstarrt und sich dabei im Schritt kratzt.

Auch wer sich die Haare kämmt und eine Schachtel Pralinen kauft, um die Nachbarin zu betören, die sich am Fenster immer extra so umzieht, dass man sie dabei problemlos vom Dach aus mit dem Nachtsichtgerät beobachten kann, ist wahrscheinlich auf einem guten Weg, eine eigene Familie zu gründen. Es sind dies magische Momente des Beginns.

Ist es also eigentlich korrekt, nur Abtreibungen zu reglementieren? Wäre es nicht viel effektiver, alles zu verbieten, was die Entstehung menschlichen Lebens zu diesem frühen, sehr fragilen Zeitpunkt zunichte machen könnte? Gemeint sind hier Dinge wie Reizgas, Brillen und Mobiltelefone, die technisch in der Lage sind, die 110 anzurufen. Auch Produkte, die das zarte Selbstvertrauen von Vätern angreifen können und sie in der Folge unfruchtbar werden lassen, sollten dazu zählen - insbesondere Garderobenspiegel, nichtalkoholische Biere und Bücher von Margarete Stokowski.

Wer hier nicht einschreitet, versündigt sich am Leben und am zarten Selbstvertrauen der Männerwelt. Er trägt letztlich Mitschuld an gesellschaftlichen Problemen wie psychisch bedingtem Männerschnupfen, Kastrationsangst und der Entfremdung von unserem Heiland Jesus Christus. Er hat das moralische Recht verloren, jemals auch nur eine einzige Zaunechse zu beweinen.

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