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2018 haben so viele US-Arbeiter wie seit 1986 nicht mehr gestreikt

485.000 abhängig Beschäftigte haben sich im vergangenen Jahr an Streiks beteiligt - darunter sind besonders viele Lehrer

  • Von Moritz Wichmann
  • Lesedauer: 3 Min.

Als das letzte Mal in den Vereinigten Staaten so viele Arbeiter*innen gestreikt haben, war Ronald Reagan noch Präsident: 485.000 US-Beschäftigte haben sich im vergangenen Jahr an Streiks beteiligt. Das zeigen neue Zahlen von Statistiker*innen des US-Arbeitsministerium.

Demnach waren US-amerikanische Arbeiter*innen besonders in den Jahren 2009 und 2017 besonders wenig streikfreudig – nur 12.000 beziehungsweise 25.000 beteiligten sich an Arbeitsniederlegungen. 1986 dagegen streikten zuletzt etwas mehr Arbeiter*innen als im vergangenen Jahr (533.000). Bis in die 1970er Jahre hatte diese Zahl in den meisten Jahren bei über einer Million gelegen.

Die Forscher*innen des Ministeriums zählen seit 1947 alle größeren Streiks, bei denen sich mehr als 1000 Beschäftigte beteiligen. Demnach gab es im vergangenen Jahr 20 »größere Arbeitsstopps«. Das sind in etwa so viele wie in den Jahren zuvor - jedoch gab es dieses Jahr deutlich mehr Teilnehmer*innen.

Der starke Anstieg der Teilnehmerzahl ist vor allem auf Lehrer*innen zurückzuführen, so die Forscher. Gruppen aus dem Bildungssektor, dem Gesundheitssystem und sozialen Dienstleistungen stellten im vergangenen Jahr 90 Prozent der Teilnehmer*innen der Streiks heißt es in einer Mitteilung.

Im vergangenen Jahr war eine Streikwelle von Lehrer*innen gegen schlechte Bezahlung, prekäre Arbeitsbedingungen und Unterfinanzierung des Bildungssystems durch die USA gerollt. In mehreren Bundesstaaten gab es Großstreiks. Mit 81.000 Teilnehmer*innen war die Lehrergewerkschaft »Arizona Education Association« für die größte Arbeitsniederlegung verantwortlich. In Oklahoma beteiligten sich rund 45.000 Menschen an einem Streik. Auch in West Virginia, Kentucky, Colorado und North Carolina fanden große Lehrerstreiks statt.

Auch in diesem Jahr geht der Aktivismus weiter: Mitte Januar streikten 30.000 Lehrer*innen in Los Angeles und erreichten mit dem sechstägigen Ausstand bessere Bezahlung und kleinere Klassen. Am Montag und Dienstag legten über 2000 Lehrer*innen in Denver für mehr Gehalt und eine bessere Schulfinanzierung ihre Arbeit nieder.

Nicht nur Lehrer*innen konnten 2018 mit Streiks Verbesserungen erreichen: 6000 Arbeiter*innen der Marriot-Hotelkette erreichten mit Arbeitsniederlegungen in vier Bundesstaaten eine bessere Bezahlung. In Michigan, Ohio und Indiana streikten im Juni 10.000 Arbeiter*innen des Mobilfunkkonzerns AT&T spontan aus Empörung gegen Entlassungen und das Verhalten des Unternehmensmanagment. Der Konzern hatte vor Trumps Steuersenkungen für Reiche und Unternehmen angekündigt in diesem Falle 7000 neue Jobs zu schaffen, stattdessen aber 1000 Arbeiter entlassen und versucht in Tarifverhandlungen das Verhandlungsteam der Communications Workers of America mit direkten E-Mails an Mitarbeiter zu umgehen.

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