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Jeder Zweite soll es genommen haben

Trainer Neururer sagt, in den 80er Jahren sei Doping im Fußball »gang und gäbe« gewesen

Ende der 80er Jahre sei die Einnahme unerlaubter Mittel im Fußball »gang und gäbe« gewesen, behauptet der ehemalige Bundesliga-Trainer Peter Neururer. »Es ist mir bekannt, dass früher Captagon genommen worden ist. Viele Spieler waren verrückt danach«, sagte der 52-Jährige der Sport Bild: »Das war überall bekannt und wurde praktiziert. Bis zu 50 Prozent haben das konsumiert. Nicht nur in der zweiten Liga.« Neururer bezog sich auf die Zeit beim damaligen Zweitligisten Schalke 04. »Auf Schalke habe ich das 1989/90 auch mitbekommen. Die damaligen Spieler von Schalke 04 kamen ja fast alle aus der Bundesliga in die zweite Liga.« Unter den Dopenden seien auch ehemalige Nationalspieler gewesen. Matthias Herget, der nach 39 Länderspielen seine Karriere bei den Königsblauen beendete, bestreitet die Einnahme unerlaubter Mittel. »Ich habe immer aus normaler Kraft meine Leistung gebracht, mal besser, mal schlechter», sagt der 51-Jährige, der für den VfL Bochum und Bayer Uerdingen 237 Bundesligaspiele und für Rot-Weiß Essen, Uerdingen und Schalke 196 Partien in der zweiten Liga absolvierte: »Ich habe nie solche Mittel genommen und auch nicht mitbekommen, dass es andere machten.« Der derzeit arbeitslose Fußballlehrer Neururer dagegen will die Wirkung des Aufputschmittels Captagon schnell erkannt haben: »Man sieht den Spielern den Konsum von Captagon an. Die Augen stehen anders. Der Spieler wird nicht mehr müde und neigt auf dem Platz zu Überreaktionen. Das war ein kompletter Wahnsinn, der da gemacht wurde.« Auch dem damaligen Schalker Masseur Gerard Kuipers ist »das eine oder andere aufgefallen. Die Spieler waren hochmotiviert und sind gerannt wie wahnsinnig«, sagte Kuipers, der von 1968 bis 1999 Bundesliga-Profis beim MSV Duisburg und Schalke betreute: »Da habe ich schon gefragt: Junge, wo hast du die Kraft her?« Neururer, der im November 1990, dem Jahr des deutschen WM-Titelgewinns, beim Zweitligisten Schalke entlassen worden war, sprach auch von anderen Mitteln: »Alle Ephedrine, die auch von den Radfahrern geschluckt werden. ... Plötzlich hatte jeder Asthma, um das nehmen zu dürfen. Auch im Nasenspray sind zu 90 Prozent Ephedrine.« Zur damaligen Zweitliga-Mannschaft der Königsblauen gehörte auch Jens Lehmann. Der Nationaltorwart vom FC Arsenal hatte in Sport Bild ebenfalls über Doping im Fußball berichtet: »Als ich angefangen habe, mit 17 oder 18 Jahren, da habe ich so etwas gehört. Einige haben wohl, um spielen zu können, Captagon geschluckt.« Captagon stand bereits in den 80er Jahren auf der Dopingliste. Seit 1988 wurden Dopingkontrollen in der ersten und zweiten Bundesliga durchgeführt. Auch der DFB reagierte auf die Vorwürfe. »Wir haben einen Brief an Herrn Neururer geschrieben und ihn freundlich gebeten, Namen und Fakten zu nennen«, so DFB-Sprecher Harald Stenger. sid

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