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Versuch der Abschreckung

Leipziger Hooligan zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt

  • Von Matthias Koch, Leipzig
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.

Vier Monate nach den schweren Ausschreitungen beim Viertelfinale im sächsischen Fußball-Landespokal zwischen dem 1. FC Lok Leipzig und Erzgebirge Aue II (0:3) wurde am Mittwoch der erste Täter zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung sowie einer Geldstrafe in Höhe von 2400 Euro verurteilt.

Andre N. geht nicht mehr zum Fußball. Über die Ergebnisse seines Lieblingsvereins 1. FC Lok Leipzig informiert sich der 22-jährige Zeitsoldat nur noch im Internet. Mehr als ein Jahrzehnt stand er im Fanblock des Vereins, der zwischenzeitlich VfB Leipzig hieß. Doch nun gehört der gelernte Installateur zu denen, die Lok und den Fußball in Sachsen bundesweit in Misskredit gebracht haben. Der dunkelhaarige Mann versucht im Saal 257 des Leipziger Amtsgerichtes zu erklären, warum er nach der Partie am 10. Februar zwischen dem Sechstligisten Lok Leipzig und dem Fünftligisten Erzgebirge Aue II mindestens zwei Steine auf Polizisten geworfen hat. »Ich war über die 0:3-Niederlage frustriert und habe mich von der Stimmung anstecken lassen«, erzählt der in ein helles Hemd und dunkle Jeans gekleidete Leipziger. »Alle haben Steine geworfen. Da habe ich mitgemacht. Es war ein Moment völliger Ekstase.« Seit Mittwoch ist Andre N. deswegen vorbestraft. Richterin Irmgard Seitz bestätigte mit ihrem Urteil den Antrag von Christoph Kruczynski. Der Staatsanwalt hatte wegen schweren Landfriedensbruchs und versuchter gefährlicher Körperverletzung auf eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung plädiert. Richterin Seitz, die sich bei der Urteilsbegründung in Rage redete, legte zusätzlich noch 2400 Euro Geldstrafe an die Justizkasse Chemnitz drauf. Dennoch war die äußerst schnell sprechende Dame mit dem Ergebnis der Verhandlung nicht zufrieden. »Inzwischen muss selbst bei unbedeutenden Spielen Polizei eingesetzt werden. Was soll das?«, fragte Seitz verärgert. »Nach dem Rechtsempfinden der Bevölkerung gehören solche Randalierer ins Gefängnis. Es bedarf der Abschreckung.« Beobachter bezeichneten das Urteil als sehr milde, weil es im möglichen Strafrahmen von sechs Monaten bis zehn Jahren Freiheitsentzug nur im unteren Bereich angesiedelt ist. »Es ist die erste Messlatte. Darunter dürfte kaum noch etwas möglich sein«, sagte Verteidiger Frank Veith hinsichtlich der vier Folgeprozesse bis August. Für Andre N. sprach, dass er bislang nicht mit dem Gesetz in Konflikt gekommen war. Zudem gehörte er wohl nicht zu den organisierten Schlägern oder Fans mit rechtsradikalem Hintergrund. Dass es diese in Leipzig gibt, bewies eindrucksvoll das 15-minütige Polizeivideo. Während des Spiels ertönten aus hunderten Kehlen »Juden-Aue«-Rufe. Vor dem Bruno-Plache-Stadion folgte dann die Hetzjagd auf die Polizisten, von denen 39 verletzt wurden. Die von der Richterin geforderte Abschreckung kann es nur durch noch mehr Öffentlichkeit geben. Insofern ist es verwunderlich, dass im Amtsgericht Leipzig mangels Sitzmöglichkeiten viele Medie...

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