Das Erdöl wurde nicht gesät

Stefan Peters sieht die Krise Venezuelas in den tiefer liegenden Problemen einer Rentengesellschaft begründet

  • Von Raul Zelik
  • Lesedauer: ca. 7.0 Min.

Venezuela galt 15 Jahre lang als Modell eines Politikwechsels: Der Staat erhöhte seine Einnahmen aus dem Ölgeschäft, finanzierte Sozialprogramme und propagierte die demokratische Partizipation der Armen. Sie sagen jetzt in Ihrem Buch, der Bruch unter Präsident Hugo Chávez sei gar nicht so tief gewesen wie vermutet.

Es gab natürlich wichtige Veränderungen, aber bemerkenswert ist auch die strukturelle Kontinuität. Chávez hat die Erdölrente so verteilt, dass auch ärmere Schichten davon profitierten. Was allerdings nicht stattfand, war eine echte Umverteilung des Reichtums und eine Entwicklung der Wirtschaft jenseits von Erdöl und Konsum. Unter den bürgerlichen Regierungen der 1970er Jahre war das ähnlich: Auch damals wurde der Staat gestärkt, und man finanzierte Sozialprogramme.

Insofern war die Praxis unter Chávez weit weniger revolutionär als seine Rhetorik. Wenn Linke in den vergangenen 20 Jahren über Venezuela diskutierten, ...

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