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Alle sechs Minuten ein Unfall

Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) legt die Bilanz für das vergangene Jahr vor

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die brandenburgische Polizei hat im vergangenen Jahr täglich durchschnittlich rund 5000 Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung festgestellt. Wie Innenstaatssekretärin Katrin Lange am Donnerstag bei der Präsentation der Unfallbilanz weiter mitteilte, liegen die Buß- und Verwarngelder mit 48 Millionen Euro auf Rekordhöhe, aber nicht weit über dem Niveau der Vorjahre.

Im Straßenverkehr starben im vergangenen Jahr 143 Menschen, fünf weniger als im Jahr zuvor. Das sei kein Vergleich zur »Horrorzahl« aus dem Jahr 1991, als 931 Menschen auf den Straßen Brandenburgs ums Leben kamen. »Die haben wir zum Glück weit hinter uns gelassen«, sagte Lange.

Mit 11 660 Verletzten habe es 2018 leider 283 mehr als im Jahr 2017 gegeben. Bei insgesamt 82 330 Verkehrsunfällen sei 2018 gegenüber dem Vorjahr eine leichte Entspannung zu verzeichnen gewesen, fügte sie hinzu. Dennoch ereignet sich statistisch alle sechs Minuten im Bundesland ein Verkehrsunfall, alle 45 Minuten ein Verkehrsunfall mit Verletzten und rund alle drei Tage ein Unfall mit tödlichem Ausgang.

Bezogen auf die Einwohnerzahl verzeichnet Brandenburg nach Sachsen-Anhalt die höchste Todeszahl, denn je eine Million Einwohner kamen im vergangenen Jahr 57 Menschen auf der Straße ums Leben, im Schnitt aller Bundesländer waren es 39 gewesen. Die meisten Unfälle ereignen sich innerhalb von Ortschaften, dort gehen sie aber meist glimpflich aus. Die Zahl der Verkehrstoten auf Landstraßen ist von 78 auf 85 gestiegen. Ein Drittel der Todesfahrten endet an einem Alleebaum. »Bäume verzeihen keine Fahrfehler«, sagte die Staatssekretärin. Bei den Motorradunfällen sank die Zahl der tödlich Verunglückten binnen eines Jahres von 22 auf 17. Außerdem gab es 20 tödlich verunglückte Radfahrer statt 26 im Jahr zuvor.

Der immer noch nicht beendete Ausbau des Autobahnabschnitts bei Michendorf forderte seinen Tribut. Hier ereigneten sich zwölf Prozent aller Unfälle auf Autobahnen. Dass inzwischen zumindest die Hälfte dieser Ausbaustrecke achtstreifig befahrbar ist, mindere allerdings die Belastung messbar, erklärte Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD).

Sie ergänzte, dass nach dem aufwendigen Ausbau der Autobahn südwestlich von Potsdam in absehbarer Zeit dergleichen neue Verkehrseinschränkungen in Brandenburg nicht mehr zu erwarten seien. Ausdrücklich nahm Schneider dabei die Baumaßnahmen zur Beseitigung des sogenannten Betonkrebses aus. Sie kündigte die Einführung einer durchgehenden Geschwindigkeitsbegrenzung auf der nur vierspurig ausgebauten Autobahn A13 zwischen Schönefelder Kreuz und Dreieck Spreewald an. Damit folge sie der Empfehlung der Autobahnunfallkommission und reagiere auf steigende Unfallzahlen. »Im zweiten Quartal werden wir ein Tempolimit von 130 km/h und ein Überholverbot für Lkw einführen.« Seit 2007 hat sich der Verkehr auf den Autobahnen Brandenburgs um 17 Prozent erhöht, vor allem der zunehmende Güterverkehr aus den osteuropäischen Staaten wirkt sich hier aus. Das Problem fehlender Rastplätze für Lkw-Fahrer sei erkannt, und man widme sich dem in einem Planungsprogramm, versicherten Lange sowie Schneider.

Der stellvertretende Polizeipräsident Roger Höppner stellte für die kommende Zeit mehrere intensive Kontrollaktionen auf den Straßen und Autobahnen des Landes in Aussicht. Diese Ankündigung sei nicht als Entschuldigung zu verstehen, sondern als Teil der polizeilichen Strategie, den Überwachungsdruck aufrechtzuerhalten. Wer weniger als 50 Meter Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug hält, muss 80 Euro bezahlen und bekommt einen Punkt in der Verkehrssünderkartei.

Für die Verkehrssicherheit sei noch viel zu tun, kommentierte der Landtagsabgeordnete Michael Jungclaus (Grüne) die Unfallbilanz. Er spricht sich »für ein absolutes Alkoholverbot beim Fahren, für ein durchgängiges Tempolimit, für den Bau sicherer Radwege und deutlich mehr Lkw-Kontrollen« aus.

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