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Hollywood gegen Silicon Valley

Oscar-Verleihung: Der Streamingdienst Netflix macht den US-Filmstudios Konkurrenz, doch die Konzerne schlagen zurück

  • Von John Dyer und Kurt Stenger
  • Lesedauer: 4 Min.

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Immer mehr große US-Medienunternehmen steigen in das Geschäft mit dem Video-Streaming ein. Und sie geben dafür eine Menge Geld aus. Vor wenigen Tagen teilte Walt Disney mit, dass man im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres etwa eine Milliarde Dollar Umsatz im Bereich Direct-to-Consumer-Unterhaltung (DTC) gemacht hat. Dazu zählen unter anderem die Plattform Hulu und der Streamingdienst des Sportsenders ESPN. Bei einem Gesamtumsatz von 15,3 Milliarden Dollar ist das zwar nicht viel, aber: DTC »ist unsere oberste Priorität«, wie Disney-Chef Bob Iger bei der Vorstellung der Zahlen sagte. »Wir verfügen über die Stärke, um das Wachstum in diesem Geschäftsfeld voranzutreiben.«

Der Unterhaltungsriese lässt es sich einiges kosten, um im Kampf gegen aufstrebende Internetkonkurrenten wie Netflix zu bestehen: So übernahm Disney kürzlich für 71 Milliarden Dollar das Film- und TV-Geschäft des Medienkonzerns 21st Century Fox. Dadurch erwarb man eine Mehrheitsbeteiligung an Hulu und zudem wertvolle Filmrechte. Außerdem bereitet Disney den Start eines eigenen Online-Streaming-Dienstes namens Disney+ in diesem Jahr vor. Daher beendet man nun auch die Zusammenarbeit mit dem Anbieter Netflix, der bisher die Rechte an den Disney-Filmen hatte und in Zukunft eine stark ausgedünnte Bibliothek aufweisen wird.

Bislang ist Netflix unangefochtener Marktführer im boomenden Bereich des Video-Streamings im Internet. Das Silicon-Valley-Unternehmen begann im Jahr 1997 als DVD-Verleih per Post. Zehn Jahre später setzte es auch auf den Online-Direktvertrieb. Um seine Streamingbibliothek voranzubringen, sicherte sich das Unternehmen für rund eine Milliarde US-Dollar die Rechte am Onlinevertrieb von Filmen der großen Filmstudios Paramount, Lions Gate und Metro-Goldwyn-Mayer. Im Jahr 2013 begann Netflix dann auch mit Eigenproduktionen wie der Erfolgsserie »House of Cards« und sagte nun nicht mehr nur den klassischen TV-Sendern, sondern auch den Produktionsfirmen den Kampf an. Mit den drei Oscars für die Eigenproduktion »Roma« hat Netflix am Sonntag einen weiteren Meilenstein erreicht.

Die geplante weitere Expansion kostet indes viel Geld. Und so kündigte Netflix kürzlich an, seine Abopreise auf dem wichtigsten Markt, den USA mit 58 Millionen Abonnenten, um bis zu 18 Prozent zu erhöhen. Auch die 79 Millionen ausländischen Abonnenten in rund 190 Ländern soll es bald treffen. Die zusätzlichen Einnahmen möchte Netflix vor allem in Eigenproduktionen investieren. »Wir ändern die Preise von Zeit zu Zeit, während wir das Gesamterlebnis von Netflix verbessern«, hieß es in einer Pressemitteilung des Unternehmens.

Dies ist nötig, denn der Wettbewerb beim Video-Streaming wird immer intensiver. Da ein monatliches Netflix-Konto gerade mal so viel kostet wie ein Kinoticket, abonnieren viele Nutzer inzwischen zahlreiche Dienste. Dabei ist Amazon laut dem Finanzportal »Motley Fool« die Nummer zwei mit 100 Millionen Kunden, davon rund ein Viertel in den USA. Hulu folgt mit 20 Millionen Nutzern. Mit seinem geplanten Eigenangebot ist Disney nur der vorerst letzte, der sich dem Kampf anschließt.

Die hohen Kosten bei ungewissen Erfolgschancen führten indes dazu, dass der weltgrößte Einzelhändler Walmart, der immer weniger Umsatz mit dem DVD-Verkauf macht, seine Pläne für einen eigenen Video-Streaming-Abodienst kürzlich begrub. Stattdessen investiert man mehr in die Tochter Vudu, die unter anderem einen Streamingdienst hat, bei dem Nutzer pro Film zahlen. Vudu kündigte kürzlich an, mit einem Remake der Komödie »Mr. Mom« von 1983 erstmals eigene Inhalte anzubieten.

Der rechtsgerichtete Medienkonzern Sinclair Broadcast Group hat dagegen einen Video-Streamingdienst eingeführt. Apple, der Telekomriese AT&T, NBC Universal und der Einzelhändler Costco bereiten dies für die nahe Zukunft vor. Experten fragen sich bereits, ob bei so vielen Anbietern die Kundenbasis groß genug sein kann, um zumindest die Ausgaben zu decken. Einige Angebote dürften zum Scheitern verurteilt sein.

Aber auch das Geschäftsmodell des Video-Streamings könnte sich ändern. Laut einer aktuellen Umfrage des Fachportals »Streaming Observer« könnte gut ein Viertel der Netflix-Abonnenten ihren Konsum aufgrund der Preiserhöhung reduzieren oder beenden. Einige dieser Nutzer sagten auch, dass sie statt höherer Gebühren eher Werbung in Kauf nehmen würden. Bislang sind solche Dienste ja werbefrei und finanzieren sich allein über Abogebühren.

In der Vergangenheit seien die Abonnenten »ausgeflippt«, wenn Gerüchte kursierten, Netflix wolle bald Werbung spielen, sagte Chris Brantner, Gründer des »Streaming Observers«. »Bei weiter steigenden Preisen könnte es sich jedoch lohnen, nach Werbeeinnahmen zu suchen, um die Preise niedrig halten zu können.«

Brian Wieser, Analyst bei der Pivotal Research Group, hält es für »Ironie«, dass Nutzer mittlerweile offener für Reklame sind. Als Netflix 2007 loslegte, sollte das Video-Streaming gerade durch Werbefreiheit das traditionelle Fernsehen ersetzen. Dieses halte sich jedoch ziemlich gut, da »Werbetreibende mit einer TV-Kampagne immer noch mehr Menschen erreichen können als auf praktisch jedem anderen Medium«. Und Reichweite sei nun mal der »wichtigste Maßstab«.

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