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Gewinn steigern auf Kosten der Belegschaft

Deutsche Post sorgt sich um die Profitabilität im inländischen Brief- und Paketgeschäft

  • Von Hans-Gerd Öfinger
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Deutsche Post DHL möchte weiter Pakete ohne Mehrkosten bis vor die Haustür zustellen. Dies erklärte Konzernchef Frank Appel am Donnerstag gegenüber n-tv. Das Erheben einer Extragebühr für die »letzte Meile« bis zum Kunden sei bei der Paketzustellung nicht angedacht. Dass es bei der bisherigen Praxis bleibe, sei auch »Teil unseres Leistungsversprechens«, so Appel.

Damit bezog sich der Konzernchef auf Meldungen, wonach andere konkurrierende Paketdienste wie DPD, GLS oder Hermes für eine Haustürzustellung künftig zusätzliche Gebühren erheben wollten. Damit wären Gebühren für Pakete günstiger, die die Kunden in Paketshops oder Paketstationen abholen. In einzelnen Fällen ist dies nach Angaben von n-tv bereits in Verträgen der Logistiker mit Online-Händlern festgeschrieben.

Die neuerliche Diskussion über Wege der Kostensenkung in der Paketbranche ist Folge des anhaltenden Wettbewerbs um Marktanteile im privatisierten und liberalisierten Logistikbereich, der unter dem Renditedruck von Aktionären und Managern auf dem Rücken der Zusteller und anderer Beschäftigter ausgetragen wird. Ver.di-Chef Frank Bsirske hatte kürzlich »mafiöse Strukturen« und »kriminelle Machenschaften« in Teilen der Branche angeprangert und darauf hingewiesen, dass Unternehmen wie Hermes über ein Geflecht von Sub- und Subsubunternehmen Menschen aus ehemaligen Sowjetrepubliken wie der Ukraine, Moldawien oder Belarus rekrutierten und »in die Lieferfahrzeuge setzen«. Sie bezögen vielfach Einkommen deutlich unterhalb des Mindestlohns und seien mit gefälschten Pässen unterwegs, so Bsirske.

Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will die Nachunternehmerhaftung auf die Paketbranche ausweiten. Die großen Zustelldienste müssten dann bei Verstößen ihrer Subunternehmer gegen die Sozialversicherungspflicht einstehen und die Beiträge zahlen. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) nannte die Pläne nun in der »Rheinischen Post« »bürokratisch« und »falsch«.

Unterdessen verzeichnete die Deutsche Post DHL 2018 eine neue Rekordmenge an zugestellten Paketen. Das bundesweite Paketaufkommen sei um 7,5 Prozent auf rund 1,5 Milliarden angestiegen, so Konzernchef Frank Appel am Donnerstag in der Bonner Konzernzentrale. Um der weiter hohen Nachfrage zu entsprechen, werde man in diesem Bereich rund 5000 neue Stellen schaffen. Weltweit sei der Konzernumsatz um sechs Prozent auf rund 61,6 Milliarden Euro gestiegen, während das operative Konzernergebnis (EBIT) um 15 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro zurückgegangen sei. Für 2019 streben die Postmanager ein Ergebnis zwischen 3,9 und 4,3 Milliarden Euro an, für 2020 werden mindestens fünf Milliarden Euro erwartet.

Während der Konzern vor allem im Express- und globalen Frachtgeschäft sein Ergebnis steigern konnte, sorgen sich die Manager um eine geringere Profitabilität im inländischen Brief- und Paketgeschäft. Das neue Vorstandsmitglied Tobias Meyer soll die »Sanierung« des Bereichs im Aktionärsinteresse vorantreiben. Zu den angedachten Maßnahmen gehört die Frühverrentung von Postbeamten, die diesen Status vor der Privatisierung 1994 erworben hatten. Sie sollen durch »billigere« Tarifkräfte ersetzt werden.

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