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Mehr Tote durch Feinstaub

Laut einer Studie verursacht die Luftverschmutzung in Europa doppelt so viele Todesfälle wie bisher angenommen

  • Von Elke Bunge
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Zahl der Menschen, die wegen Feinstaubbelastung an Herz-Kreislauf-Erkrankungen starben, ist deutlich höher, als bislang in Schätzungen angenommen wurde. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie des Max-Planck-Instituts für Chemie und der Medizinischen Fakultät der Gutenberg-Universität, beide ansässig in Mainz.

Die Forscher unter Leitung von Jos Lelieveld nutzten eine neue Mortalitätsstudie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und werteten sie neu aus, um Zusammenhänge zwischen Sterblichkeitsraten und Umweltbedingungen zu ermitteln. »Wir haben bei unserer Untersuchung 40 internationale Kohortenstudien aus 16 Ländern zugrunde gelegt. Mit diesen neuen umfangreichen Datensätzen haben wir ermittelt, dass die weltweite Sterblichkeit infolge von Luftverschmutzung etwa doppelt so hoch ist, als sie von einer WHO-Belastungsstudie aus dem Jahre 2015 angegeben wurde«, so Lelieveld auf einer Pressekonferenz am Dienstag. Die Wissenschaftler der beiden Mainzer Institute haben Daten aus den Studien zu den Sterblichkeitsraten mit denen aus Veröffentlichungen zu Feinstaubbelastungen in Beziehung gesetzt und daraus ihre Schlüsse gezogen.

Geläufige Annahmen, dass vor allem Atemwegs- und Lungenerkrankungen Folge von Feinstaubbelastungen sind, wurden von der jüngsten Veröffentlichung widerlegt. Unter Feinstaub versteht die Wissenschaft Luftbelastungen von Partikeln bis zu einer Größe von 2,5 Mikrometer.

Die höchsten Mortalitätsraten wurden bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen ermittelt, so die Veröffentlichung in der jüngsten Ausgabe des »European Heart Journal«. Gemäß WHO-Angaben sterben jährlich etwa 56 Millionen Menschen, 71 Prozent von ihnen an »nicht zu deklarierenden Krankheiten« wie Herz-Kreislauf- und chronischen Lungenerkrankungen, Diabetes und Krebs.

Umwelteinflüsse wie Feinstaubbelastungen sind in früheren Studien als Todesursache oder Auslöser von Herz-Kreislauf-Erkrankungen unterschätzt worden. Nach den neuen Untersuchungsmethoden des »Globalen öffentlichen Mortalitätsmodells«, das zur vorliegenden Studie herangezogen wurde, gehen von den jährlich 2,14 Millionen Herz-Kreislauf-Sterbefällen in Europa 377 000 auf Feinstaubbelastungen zurück.

In Europa liegt die Sterblichkeitsrate bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei 133 Fällen je 100 000 Einwohner. Auffällig über dem Durchschnitt befinden sich Länder Osteuropas wie Bulgarien, Kroatien, Rumänien und Ukraine mit über 200 Fällen je 100 000 Einwohner. Doch auch Deutschland liegt mit 154 zu 100 000 noch deutlich über dem europäischen und dem »EU der 28«-Durchschnitt mit 129 Fällen je 100 000 Einwohner. Eine ebenso hohe Mortalitätsrate weist Polen auf, während Staaten wie Frankreich und Großbritannien deutlich unter dem europäischen Schnitt bleiben.

Feinstaubbelastungen, so die jüngsten internationalen Einschätzungen, sind gleichrangig mit Stickoxid- und Ozonbelastungen für erhöhte Sterblichkeitsraten verantwortlich. Nebst den Emissionen aus Industrie und Verkehr machten die Autoren auch die Massentierhaltung als Ursache aus. In Deutschland, so Studienleiter Lelieveld, haben Landwirtschaft und Massentierhaltung einen Anteil von 45 Prozent an der Feinstaubbildung. Ursache dafür ist unter anderem, dass bei der Zersetzung von Tiergülle Ammoniak in die Luft entweicht und dort Verbindungen mit Schwefelsäure und Salpetersäure eingeht. Dabei entsteht ein Aerosol in der Größe der Feinstaubpartikel.

Wie bereits bei früheren Studien wird auch die jüngste Veröffentlichung nicht unumstritten sein. Zwar liegen die Korrelationen zwischen der ansteigenden Feinstaubbelastung und einer steigenden Mortalität nahe, doch um einen letztgültigen Beweis eines Zusammenhangs zu geben, müsste man zumindest das Gros der Verstorbenen einer Obduktion unterziehen. Dies, von einer Reihe von Toxikologen gefordert, ist weder technisch noch ethisch möglich. So bleiben schließlich Feldbeobachtungen als Diagnosemethode übrig.

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