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Umbenennung nicht vor Sommer

Bevor drei Straßen in Wedding neue Namen erhalten, bearbeitet das Bezirksamt die Beschwerden von Anwohnern

  • Von Marion Bergermann
  • Lesedauer: 3 Min.

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Ein Aktivist hält ein Motiv aus der deutschen Kolonialzeit hoch. Im Hintergrund ist das Straßenschild der Lüderitzstraße im Berliner Wedding zu sehen, die in Cornelius-Fredericks-Straße umbenannt werden soll.
Ein Aktivist hält ein Motiv aus der deutschen Kolonialzeit hoch. Im Hintergrund ist das Straßenschild der Lüderitzstraße im Berliner Wedding zu sehen, die in Cornelius-Fredericks-Straße umbenannt werden soll.

Im Wedding wird die Umbenennung von drei Straßen nicht vor Juni stattfinden. Erst muss das Bezirksamt die Beschwerden von Bürger*innen, die als formelle Widersprüche eingingen, abarbeiten. Und das kann sich hinziehen, denn bei dem Amt gingen Hunderte davon ein.

Lesen Sie auch: Mehr als Rechthaberei. Der Kampf um die Tilgung des Kolonialismus aus dem Berliner Straßenbild ist zäh, aber richtig.

Das berichtete Kultur-Bezirksstadträtin Sabine Weißler (Grüne) am Mittwochabend im Kulturausschuss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Mitte. Exakt 403 solcher Widersprüche gebe es bisher, sagte sie, davon 215 in einer Sammelliste. Außerdem kommen vielleicht noch weitere hinzu, denn bis zum heutigen Freitag können Anwohner*innen sich über die Umbenennung des Nachtigalplatzes in Manga-Bell-Platz offiziell beschweren. Für die Petersallee, zukünftig in einem Teil Anna-Mungunda-Allee und im anderen Maji-Maji-Allee, ist die Frist abgelaufen. Genauso für die zukünftige Cornelius-Fredericks-Straße, die bisher noch Lüderitzstraße heißt.

Umkämpfte Umbennenung

Bis all diese Widersprüche bearbeitet sind, könne es Ende Mai, Anfang Juni werden, schätzte Weißler. Das Bezirksamt müsse alle Beschwerden individuell beantworten. Wie viel Zeit sich das Amt dafür lassen kann, ist nicht festgelegt. Die Mitarbeiter*innen wollten sich beeilen, so die Stadträtin, »wir haben kein Interesse daran, das zu verlängern.« Denn erst, wenn alle offiziellen Einwände von Bürger*innen abgearbeitet sind, ist laut Bezirksamt die Umbenennung wirksam. Es sei denn, es werde geklagt, ergänzte Weißer. Dann müsse man den Ausgang der Klage abwarten. Bisher liege keine vor, berichtete die Grünen-Politikerin. Ob also noch im Sommer oder überhaupt dieses Jahr die Schilder ausgetauscht werden, ist unklar. Mnyaka S. Mboro von »Berlin Postkolonial«, einem Verein im Afrikanischen Viertel, der sich für die Umbenennung einsetzt, war nach der Sitzung des Kulturausschusses nicht begeistert vom Stand der Dinge. »Eigentlich habe ich mehr erwartet, nämlich zu erfahren, wann es endlich eine Umbenennung gibt.«

Die Namensänderung der drei Straßen ist seit Längerem umkämpft. Mboro erzählte, dass er schon mehrmals im Wedding auf der Straße angegangen wurde, weil Leute sich über die geplante Umbenennung aufregten.

Bereits im März 2016 hatte die BVV Mitte beschlossen, die drei Straßen umzubenennen. Seitdem mobilisiert die Weddinger Initiative »Pro Afrikanisches Viertel« dagegen, »Berlin Postkolonial« engagiert sich dafür, und genauso gibt es unter den Bürger*innen ein Meinungsspektrum von starker Befürwortung bis vehementer Ablehnung.

Keine ehrbaren Personen

Hinter der BVV-Entscheidung steckt die Idee, dass die Namen von Akteuren aus der deutschen Kolonialzeit zukünftig nicht mehr im Stadtbild gewürdigt werden sollen. So eignete sich der Kaufmann Adolf Lüderitz durch Betrug Gebiete im heutigen Namibia an. Alleine in diesem Land starben durch die deutsche Kolonialherrschaft und einhergehende Gewalt Zehntausende Menschen. Der Nachtigalplatz ist nach Gustav Nachtigal benannt, der im Auftrag des Deutschen Reiches das heutige Togo und Kamerun kolonisierte. Carl Peters machte das heutige Tansania und Ruanda zu deutschem Besitz.

Das Bezirksamt Mitte sagte dem »nd« Anfang Februar dazu: »Straßennamen in Berlin sind Ehrungen. Lüderitz, Peters und Nachtigal sind nach unserem heutigen Demokratieverständnis keine zu ehrenden Personen.« Die neuen Straßennamen sollen an Widerständige aus den ehemaligen deutschen Kolonien erinnern.

Die Initiative »Pro Afrikanisches Viertel« schlägt stattdessen Umwidmungen vor. Das heißt, dass Menschen mit dem gleichen Nachnamen und weniger verfänglicher Vergangenheit für die Straßennamen stehen sollen.

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