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Bundestrainer im Notstand

Joachim Löw muss eine neue Mannschaft entwickeln und dabei sofort Ergebnisse liefern

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 3 Min.

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Ungewissheit kann quälend sein. Kurz erinnerte der Auftritt von Joachim Löw am Dienstagmittag in Wolfsburg an früher: lächelnder Blick in die Runde, Begrüßung von Journalisten per Handschlag, lockere Schulterklopfer, Smalltalk. Als der Bundestrainer dann auf dem Podium der Pressekonferenz zum Länderspiel an diesem Mittwoch gegen Serbien Platz nahm, hatte ihn die Realität schon wieder eingeholt. Dabei barg allein der Wunsch von Jens Grittner, Pressesprecher der Nationalmannschaft, den »Fokus mal wieder auf sportliche Themen zu legen«, genug Potenzial zum Zweifeln. Aber auch andere Konfliktfelder, wie Meinungsverschiedenheiten mit Reinhard Grindel, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, oder Oliver Bierhoff, DFB-Direktor für die Nationalmannschaften, scheinen eine Belastung für den Bundestrainer zu sein. Meist nachdenklich, bisweilen verkniffen blickte der 59-Jährige drein.

Die Aura des Unantastbaren hatte Joachim Löw nach der in vielen Bereichen problematischen Weltmeisterschaft im vergangenen Sommer verloren, hinzu kam dann der Abstieg in die Zweitklassigkeit der Nations League. Eine Aufbruchsstimmung im neuen Länderspieljahr wollte oder konnte er am Dienstag nicht erzeugen. Er sprach zwar von einer »neuen Zeitrechnung.« Hoffnung auf Besserung stellte er jedoch zugleich »ein gewisses Risiko« in den Weg. Vage, manchmal ausweichende Antworten können durchaus als Zeichen der Unsicherheit des Bundestrainers interpretiert werden. Woher soll er auch wissen, ob seine Mannschaft wirklich den Herausforderungen und Ansprüchen gewachsen ist. Den Schritt der Verjüngung sei er allerdings voller Überzeugung gegangen, hatte Löw schon vor seiner Anreise nach Wolfsburg verkündet.

Den Druck hatte zuletzt Reinhard Grindel erhöht. Neben der Forderung einer souveränen Qualifikation zur EM 2020, formulierte der DFB-Präsident ganz nebenbei ein hohes Ziel: »Ich denke, wir werden dann auch eine Mannschaft haben, die um den Titel mitspielen kann.« Das ist Grindels gutes Recht, einerseits. Andererseits muss sich auch der Verbandschef beweisen, hatte er Löw doch in den Jahren zuvor blind vertraut. Weit vorausschauen wollte der Bundestrainer nicht, er blieb im Hier und Jetzt. »Es ist alles auf Sonntag ausgerichtet.« Dann startet in Amsterdam mit dem Spiel gegen die Niederlande die EM-Qualifikation. Und spätestens dann gilt, dass Ergebnisse wichtiger sind als die Entwicklung des Teams.

In diesen Notstand hat sich Löw selbst gebracht. Die Konsequenz des jetzigen Umbruchs mit der Ausbootung von Mats Hummels, Jerome Boateng und Thomas Müller hätten sich viele schon vor der WM 2018 gewünscht. Da aber verzichtete der Bundestrainer beispielsweise komplett auf Leroy Sane. Grindels ernste Anmerkungen zur Art und Weise des Abschieds der drei Weltmeister von 2014 will Löw jedenfalls »nicht als Kritik« an seiner Arbeit sehen.

Gegenwind bekommt der Bundestrainer neuerdings auch von anderer Seite. Lange waren Löw und Bierhoff ein Herz und eine Seele. Der Verband hielt sich weitgehend raus, übertrug alle Verantwortung für das Nationalteam - auch abseits des Sportlichen - dem Erfolgsduo. Nun aber widerspricht der DFB-Direktor dem Bundestrainer. Während Löw die jungen Spieler jetzt in der vollen Verantwortung sieht, will Bierhoff die Last für diese nicht allzu groß werden lassen.

Auch Löw sprach am Dienstag von möglichen Rückschlägen seines jungen Teams. Es klang wie eine vorauseilende Selbstverteidigung eines Fußballlehrers, der seine Selbstsicherheit verloren hat. Die Weltmeister hätten diese Entwicklung schließlich auch durchgemacht. Die Zeit, vom Titel 2014 zehren zu können, ist für den Bundestrainer aber definitiv vorbei. Und die Zukunft ist meist ungewiss, und manchmal auch quälend.

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