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Untersuchung: Mindestens 14 zivile Todesopfer durch US-Bomben in Somalia

Amnesty International-Bericht dokumentiert mögliche Kriegsverbrechen der US-Armee im Kampf gegen Islamisten

  • Lesedauer: 3 Min.

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Sie arbeiten unter schwierigen klimatischen Bedingungen und leiden unter der Herrschaft der Islamisten sowie den Angriffen des US-Militärs: Die Landbevölkerung und Bauern in Somalia.
Sie arbeiten unter schwierigen klimatischen Bedingungen und leiden unter der Herrschaft der Islamisten sowie den Angriffen des US-Militärs: Die Landbevölkerung und Bauern in Somalia.

Mogadischu. Menschenrechtler werfen dem US-Militär vor, bei Luftangriffen gegen die Terrorgruppe Al-Shabaab in Somalia mindestens 14 Zivilisten getötet zu haben. »Unsere Erkenntnisse widersprechen direkt dem Mantra des US-Militärs, in Somalia keinen einzigen Zivilisten zu verletzen oder zu töten«, kritisierte Brian Castner von Amnesty International. Das US-Afrikakommando (Africom) wies die Vorwürfe des am Mittwoch veröffentlichten Berichts von Amnesty zurück. Keine Zivilisten seien durch einen US-Luftangriff verletzt oder getötet worden, hieß es.

Amnesty bezieht sich in dem Bericht auf fünf Luftangriffe zwischen April 2017 und Dezember 2018, diese wurden detailliert untersucht. Dabei seien 14 Zivilisten getötet und acht verletzt worden, hieß es. Die Angriffe wurden demnach durch Drohnen und Flugzeuge in der Region Unter-Shabelle im Süden Somalias durchgeführt - einer Region, die zum Großteil von Al-Shabaab kontrolliert wird. Amnesty habe mehr als 150 Interviews mit Augenzeugen, Angehörigen und Experten geführt und sich unter anderem Satellitenbilder und Fotos angeschaut, hieß es. »Niemand hat bisher mit uns über die Angriffe gesprochen, auch nicht die Regierung. Wir sind sehr muslimisch, aber wir würden uns nie Al-Shabaab anschließen«, erklärt ein Dorfbewohner in dem Bericht.

Seit Jahren unterstützt das US-Militär die somalische Regierung im Kampf gegen Al-Shabaab mit Luftangriffen. Diese werden von dem US-Afrikakommando koordiniert, das seinen Sitz in Stuttgart hat. Unter Präsident Donald Trump ist die Zahl der Angriffe drastisch gestiegen: 2016 waren es Africom zufolge 15, 2018 waren es 47. Demnach wurden seit Juni 2017 mehr als 800 Terroristen getötet. Der Anstieg liegt daran, dass Trump 2017 den US-Streitkräften deutlich größere Freiheiten in Somalia gab.

Wegen dieser Änderung sei das US-Militär weniger unter Druck, zivile Opfer zu vermeiden, sagte ein pensionierter US-Brigadegeneral, der nicht namentlich genannt wurde, laut Amnesty International. Er ist dem Bericht zufolge auch der Meinung, dass diese Änderung die möglichen Ziele für Angriffe deutlich ausgeweitet habe - und nun quasi jeder männliche Erwachsene, der in einem mit Al-Shabaab sympathisierenden Dorf lebe, zur Zielscheibe werden könne.

Bei den Luftangriffen habe die US-Armee laut den vorliegenden Beweisen gegen internationales Recht verstoßen und »einige Fälle sollten als Kriegsverbrechen verfolgt werden«, weil man Zivilisten zum Ziel gemacht habe oder nicht geprüft habe ob die Ziele tatsächlich militärisch waren, heißt es in dem Bericht mit dem Titel »Der unsichtbare US-Krieg in Somalia«. Die Menschenrechtler erklären den Fall auch in einem Graphic Novel in Comicform.

Africom unternehme außergewöhnliche Anstrengungen, um in Somalia die Wahrscheinlichkeit ziviler Opfer zu reduzieren, teilte das US-Afrikakommando mit. Africom kritisierte die Ergebnisse von Amnestys Untersuchungen weiter: Es sei in Al-Shabaabs Interesse, Unwahrheiten über zivile Opfer zu verbreiten oder Bürger zu zwingen, derartige Unwahrheiten zu behaupten, hieß es.

Al-Shabaab ist den Vereinten Nationen zufolge nach wie vor die größte Bedrohung für die Sicherheit in Somalia. Die mit Al-Kaida verbundenen sunnitischen Fundamentalisten kämpfen in dem instabilen Staat am Horn von Afrika seit Jahren für die Errichtung eines sogenannten Gottesstaats. Die Gruppe kontrolliert weite Teile von Süd- und Zentral-Somalia und greift immer wieder Sicherheitskräfte und Zivilisten an. Der Denkfabrik Africa Center for Strategic Studies zufolge verübte Al-Shabaab 2018 mit 1515 Gewalttaten weitaus mehr Anschläge als alle anderen islamistischen Gruppierungen in Afrika.

In dem verarmten Land schließen sich viele junge Männer den Extremisten weniger aus religiöser Überzeugung, sondern aus finanziellen Gründen an, wie Experten erklären. Zudem greift die Miliz oft Dörfer an und zwingt Bewohner, ihnen einen Treueeid zu schwören. Neben den USA unterstützt auch eine Truppe der Afrikanischen Union (AU) die Regierung im Kampf gegen die Gruppe. dpa/nd

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