Werbung
  • Politik
  • Medizinische Behandlung in Venezuela

Kuba verteidigt seine Ärzte

«New York Times» wirft Medizinern Begünstigung von Maduro-Anhängern vor

  • Von Andreas Knobloch, Havanna
  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Es ist ungewöhnlich, dass Kubas Präsident auf einen Zeitungsartikel öffentlich reagiert. «Die kubanischen Ärzte können niemals verleumdet werden. Ihr außergewöhnliches menschliches Schaffen in Ländern, die das Imperium ›dunkle Winkel der Welt‹ nennt, widerlegt die ›New York Times‹ und deren Reporter Nicholas Casey», twitterte Miguel Díaz-Canel am 19. März. Was war passiert? Am 17. März war in der US-Tageszeitung «New York Times» ein Artikel des renommierten Journalisten Nicholas Casey erschienen, in dem in Venezuela eingesetzte kubanische Ärzte beschuldigt werden, medizinische Leistungen für parteipolitische Zwecke einzusetzen bzw. zu verweigern, um Venezuelas Präsidenten Nicolás Maduro zu begünstigen. «In Interviews haben 16 Mitglieder von Kubas medizinischer Mission in Venezuela (…) ein System absichtlicher politischer Manipulation beschrieben, in dem ihre Dienste eingesetzt wurden, um für die regierende Sozialistische Partei Stimmen zu sichern, oft durch Zwang», schreibt Casey. Alle interviewten kubanischen Ärzte haben ihre Missionen verlassen und leben heute in anderen lateinamerikanischen Staaten.

Der Artikel sorgte für großen Unmut auf Kuba. Kubas Gesundheitsminister José Angel Portal Miranda twitterte: «Kein wahrer kubanischer Arzt verweigert die Dienstleistung und noch viel weniger riskiert er das Leben eines Patienten, um politische Ziele zu erreichen.» Die kubanische Tageszeitung «Granma» verteidigte die kubanischen Ärztemissionen in Venezuela. «Jeder in Venezuela weiß: Die Behandlungen basieren auf medizinischer Ethik. Kein Patient wird nach seiner politischen Zugehörigkeit oder nach Geld gefragt.»

Während der Proteste 2017 seien sowohl Chavistas als auch Anhänger der Opposition «mit derselben Qualität und Bereitschaft» behandelt worden. Kuba hat rund 25 000 Ärzte und medizinisches Personal in Venezuela. Im Gegenzug bezieht das Land Öl zu Vorzugskonditionen von Caracas. Aufgrund der wirtschaftlichen und politischen Krise Venezuelas sind diese Lieferungen in den vergangenen Jahren allerdings stark zurückgegangen.

Das staatliche Onlineportal «Cubadebate» wirft der «New York Times »Propaganda« und unsaubere Arbeit vor: »In einer mageren Ausführung von Journalismus, den sie angeblich so sehr verteidigen, vergisst die ›New York Times‹ die Gegenüberstellung von Quellen und interviewt keinen praktizierenden kubanischen Arzt in Venezuela, spricht mit keinem Patienten und sucht nicht nach der Meinung der Führung der kubanischen Ärztebrigade.« Casey hatte für seinen Text einzig eine Stellungnahme des kubanischen Gesundheitsministeriums eingeholt.

Die »New York Times« verteidigte sich gegen die Kritik aus Havanna: »Wir stehen zu unserer Geschichte. Diese Art von rigorosem Journalismus steht im Mittelpunkt unserer Arbeit.« Doch selbst renommierte Kuba-Kenner können sich vorstellen, dass die Zeitung einer orchestrierten Lüge aufgesessen ist. Er habe den Artikel der »New York Times« gelesen, schreibt der anerkannte Kuba-Experte Arturo López-Levy von der Uni Texas und bisher keineswegs als übermäßiger Freund der Regierung in Havanna aufgefallen. »Da bin ich skeptisch. Als Kubaner habe ich so etwas noch nie gesehen. In Kuba und an anderen Orten habe ich genau das Gegenteil gesehen oder gehört.«

Die kubanische Revolution erkenne nicht das Recht ihrer Gegner an, sich politisch zu organisieren, »aber das Recht auf medizinische Leistungen ist für alle vorgesehen und gegeben. Ich denke, dieses Pamphlet ist einfach ohne Basis, oder basiert auf einer faulen Akzeptanz der orchestrierten Lügen von parteiischen anti-kubanischen Sykophanten (Bürger im antiken Athen, die anderen, gut betuchten Bürgern in erpresserischer Absicht drohten, sie durch Falschangaben und Verleumdungen zu diskreditieren, Anm. d. Red.).«

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!